reh im wald Hundeschule Fellnase

Brut- und Setzzeit 2024 – Auf was Hundehalter in Bayern dringend achten müssen!

Von 01. März bis 15. Juli herrscht Brut- und Setzzeit
Von 01. März bis 15. Juli herrscht Brut- und Setzzeit

Seit dem 01. März herrscht wieder eine ganz besondere Zeit im Jahr – die sogenannte “Brut- und Setzzeit”. Im Folgenden erkläre ich euch, warum diese Zeit gerade für uns Hundehalter eine große Rolle spielt und worauf wir genau achten müssen um unsere Hunde und die Wildtiere zu schützen.

Was bedeutet “Brut- und Setzzeit”?

Die Zeitspanne vom 01. März bis zum 15. Juli wird als “Brut- und Setzzeit” bezeichnet. In dieser Zeit ist den Jägern das Bejagen von wilden Elterntieren strickt untersagt. Dies gilt sowohl für sogenanntes Haarwild (z.B. Rehe) und für Federwild (Vögel). Die allermeisten Wildtiere leiden im Winter große Not – Futter ist längst nicht in der Menge verfügbar, wie es im Frühjahr bis Anfang Sommer der Fall ist. Sogar Wasser ist je nach Gewässer schwierig aufzutreiben: stehende Gewässer können teilweise sehr dicke Eisschichten entwickeln, die für die Wildtiere unüberwindbar sind.

Im Jagdrecht heißt es:

In der Setz- und Brutzeit dürfen Elterntiere bis zum Selbständigwerden der Jungtiere nicht bejagt werden (§ 22 Abs. 4 BJG), sofern dies landesrechtlich nicht ausnahmsweise erlaubt ist. Solche Ausnahmen bestehen in Bayern für Wildkaninchen, Waschbären und Marderhunde (§ 19 AVBayJG).

Das Jagdverbot in der Setz- und Brutzeit schützt ausdrücklich nur die Elterntiere, nicht auch die Jungen. Nach dem Erlegen aller Jungtiere dürfen auch die Alttiere in den Setz- und Brutzeiten erlegt werden. Das Jagdverbot gilt auch für männliche Elterntiere, sofern diese an der Aufzucht beteiligt sind (Füchse!).

http://www.jagdrecht-bayern.de/jagd-3/jagd-und-schonzeiten/setz-und-brutzeit/

Als Faustregel für die Dauer dieser Schonzeit wird der Start der Setzzeit des Haarwildes auf den 01. März festgelegt. Das Ende der Brutzeit von Federwild liegt (pi mal Daumen) auf dem 15. Juli.

Diese Regelung gilt für Bayern!
Die Brut- und Setzzeit ist auf Länderebene geregelt. Somit hat jedes Bundesland seine eigenen Vorschriften. In Bayern geben die jeweiligen Kommunen die genauen Richtlinien vor. Informiere dich also bei deiner Kommune über entsprechende Vorgaben.

Ist während Brut- und Setzzeit Leinenpflicht?

Hund und Halter im Nebel Hundeschule Fellnase
Egal ob gute oder schlechte Sichtverhältnisse – du musst immer verhindern können, dass dein Hund Wildtiere jagt!

Das kommt auf das jeweilige Bundesland und die Kommune an. In Bayern gibt es keine gesetzliche Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit. Das bedeutet aber nicht, dass es eine gute Idee ist, seine Hunde in dieser Zeit freilaufend durch den Wald oder über Wiesen flitzen zu lassen.

Jeder Hund verfügt über Jagdinstinkte. Es ist bei manchen nur einfacher, diese zu wecken und in aktives Verhalten zu überführen, als bei anderen Hunden. Selbst wenn dein Hund noch nie einem Reh hinterher gerannt ist, oder sogar mal einen Hasen auf dem Feld stehen hat lassen, so kann immer dieser eine Tag kommen, an dem es sich dein Hund eben anders überlegt.

Haben Hunde einmal den Beutegeruch aufgenommen und ihr Ziel gesichtet, beginnt die Hetzjagd in Bruchteilen von Sekunden. Ist der Hund erst einmal gestartet, ist es in den allermeisten Fällen nahezu unmöglich den Hund zu stoppen und zurückzurufen. Sowohl für deinen Hund als auch für das Wildtier geht es jetzt um’s überleben. Was dein Hund zu diesem Zeitpunkt macht nennt man “Wilderei”.

Was passiert, wenn mein Hund ein Reh verfolgt?

Yorkshire Terrier auf Wiese Hundeschule Fellnase
Auch kleine Hunde können lebensgefährlich für Rehe sein!

Jäger sind Natur- und Tierschützer – allerdings vorwiegend von Wildtieren und nicht von wildernden Tut-nixen. Selbstverständlich sind Jäger dazu angehalten, nach Möglichkeit keine Haustiere zu töten, wenn dies nicht unbedingt notwendig ist, sondern diese stattdessen einzufangen. Jeder, dessen Hund schon einmal zu viel Freiheit geschnuppert hat und entlaufen ist wird aber wissen, wie schwierig es ist, selbst den eigenen Hund einzufangen.

Des Weiteren gibt es hier noch eine andere Problematik: Selbst wenn ein Hund ein Reh einholt, heißt das selbstverständlich nicht, dass das Reh direkt gerissen und gefressen wird. Die Gefahr für das Reh beginnt allerdings nicht mit der Schnauze des Hundes, sondern mit der Hetzjagd.

Nach dem Winter sind die meisten Hunde trotz der Futterknappheit in der Natur gut genährt. Kein Wunder – immerhin müssen unsere Hunde sich ihr Futter nicht selbst fangen sondern werden von uns gefüttert – und meistens auch mit einer großartigen Regelmäßigkeit. Das Reh hingegen hat im Winter Not gelitten und (wie eingangs beschrieben) wenig Nahrung und gegebenenfalls auch wenig Wasser zur Verfügung gehabt. Kurz gesagt kämpfen die Wildtiere im Winter um ihr Überleben. Sie befinden sich im konstanten Stress um Nahrungsquellen und Wasser zu finden.

Eine Hetzjagd kann diese unterversorgten Tiere nun so stark stressen, dass der Hund das Reh gar nicht erst erreichen muss um dieses zu töten. Jedes Jahr gibt es zahlreiche Fälle in ganz Deutschland, in denen Wildtiere qualvolle Tode durch den Hund sterben müssen. (Beispiel aus 2020: https://www.kurier.de/inhalt.kauerndorf-hetzjagd-traechtiges-reh-stirbt-qualvoll.8ec4dc65-92f1-4919-ade6-e444c16fcb82.html)

Wie schütze ich meinen Hund und die Wildtiere?

Hase auf Wiese Hundeschule Fellnase
Auch unsere heimischen Wildtiere haben ein Recht auf unbeschwerte Freiheit – nicht nur unsere Hunde!

Die Antwort ist relativ einfach, gefällt den meisten Menschen nur leider nicht:

Wenn ihr mit euren Hunden in der Natur unterwegs seit, behaltet eure Hunde an der Leine. Wer seinem Hund mehr Freiheit gestatten möchte, kann seinen Hund jederzeit an Schleppleine und Geschirr führen. Bei gut ausgebildeten Hunden muss man das ja nicht das ganze Jahr über so handhaben – aber eben wenigstens in der Brut- und Setzzeit.

Vielerorts gibt es inzwischen auch umzäunte Freilauf-Flächen für Hunde. In meiner Heimatstadt Amberg gibt es im Stadtgebiet eine Freilauf-Fläche ohne Umzäunung. Im Landkreis Amberg-Sulzbach gibt es nicht weit von der Stadt Amberg entfernt außerdem noch eine dieser Flächen mit Zaun um die Hunde daran zu hindern, ungefragt auszubüxen.

Natürlich ist es unglaublich wichtig, dass die Hunde auch in der Brut- und Setzzeit gut ausgelastet sind. Ein müder Hund ist ein “braver” Hund. Hat euer Hund zu viel überschüssige Energie, wird er versuchen diese in Aktivitäten umzusetzen. Häufig sind die Aktivitäten, die sich unsere Hunde selbst aussuchen inkompatibel mit unserer Menschenwelt und den Regeln und Erwartungen, die wir Menschen aufstellen. Es macht für den Hund einfach keinen Sinn, dem Reh, Hasen oder Marder, den er im Wald riecht, nicht nachzugehen. Logisch – wenn es bei uns in der Küche lecker reicht gehen wir sehr wahrscheinlich dem Geruch auch eher nach, als dass wir uns entfernen.

Die Auslastung kann für jedes Mensch-Hund-Gespann anders aussehen. Die einen gehen mit ihren Hunden gerne auf Sniffari (Schnüffel-Safari), die anderen tendieren zu Hundesport wie Agility oder Obedience. Ist sowohl Kopf als auch Geist meines Hundes bedient und angestaute Energie ist kontrolliert abgebaut worden, so sinkt die Wahrscheinlichkeit für jegliches Fehlverhalten dramatisch.

Woran erkenne ich, ob mein Hund “Wild” in der Nase hat?

Hund wittert Wildtier Hundeschule Fellnase
Schnüffelt der Hund in die Luft, so hat er wahrscheinlich Wildgeruch wahrgenommen.

Mutige Hundehalter die ihren Hunden auch während der Brut- und Setzzeit stark vertrauen, sollten dennoch genau auf die Körpersprache ihrer Hunde achten:

Die Hetzjagd beginnt meistens deutlich weniger überraschend, als wir zugeben möchten. Die Jagdsequenz des Wolfes beginnt mit einem ungerichtetem Suchverhalten, in welchem das Tier sich erstmal “umriecht” ob sich etwas jagdbares in der Nähe befindet. Dieses Verhalten äußert sich durch ein “zielloses” schnüffeln der Hunde. Häufig ist diese Sequenz auch noch von anderen Verhaltensweisen wie Markieren oder Kommunikation mit Sozialpartnern begleitet.

Den Übergang in zielgerichtetes Suchen bildet das sogenannte “Wittern”. Der Hund streckt dabei auffällig seine Nase in die Luft. Er hat etwas gerochen und Versucht nun die Richtung seines Zielobjektes zu bestimmen, in dem er seine Nase in den Himmel richtet und Luft aus allen Richtungen in seine Nase strömen lässt. Der Geruchssinn unserer Hunde ist für uns nahezu unbegreiflich. Dazu folgt an späterer Stelle von mir noch einmal eine genaue Ausführung :).

Sind also zunächst “unerklärliche” Veränderungen im Verhalten unserer Hunde zu erkennen, sollten wir genau Ausschau halten und unserer Hunde am besten spätestens jetzt mit einer Leine sichern. Kein Mensch hat Lust, sich dem Stress auszusetzen, seinen jagenden Hund wieder aufzutreiben und zu hoffen, dass kein anderer Hundehalter, Förster, Jäger oder andere Waldbesucher mitbekommen, wie man seinen Hund einfängt.

Fazit

Wir Hundehalter haben in der Brut- und Setzzeit die Verantwortung, Wildtiere vor unseren Hunden zu schützen. Insgesamt sollte es eine der Hauptaufgaben eines jeden Hundehalters sein, alle Lebewesen soweit vor seinem Hund zu schützen, dass Mitmenschen, Haustiere von Mitmenschen und Wildtiere ungestört ihrem Leben nachgehen können. Alle Lebewesen haben das gleiche Recht auf Freiheit. Jeder sollte also bemüht sein, allen anderen die gleiche “Freiheit” zu ermöglichen, die auch wir selbst gerne erleben möchten.

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FAQ – Brut- und Setzzeit

Muss der Hund während Brut- und Setzzeit an die Leine?

Nein. Jedenfalls nicht pauschal. Bei Hunden, die dazu tendieren Wildgeruch nachzugehen und auf Sichtung diesem auch nachzujagen, ist es jedoch stark zu empfehlen.

Wer legt fest die Leinenpflicht fest?

Länder & Kommunen.
Am besten bei der Kommune eures Heimatortes die notwendigen Informationen einholen. Das gilt übrigens auch, wenn ihr mit dem Hund verreist 🙂

Was machen, wenn der Hund plötzlich jagt?

Faktisch kann man nicht viel machen. Die meisten Hunde hören den Halter nicht mehr, wenn sie sich in der Jagdsequenz befinden. Dennoch würde ich stark empfehlen wenigstens den Versuch eines Rückrufs zu starten. Ist nämlich ein Jäger oder anderer Hundehalter in der Nähe, so sieht dieser, dass ihr zumindest versucht, eure Hunde zurück zu bekommen.

Darf der Jäger meinen Hund erschiessen?

Ja. Zumindest in Bayern.
Jäger sind dazu angehalten die Natur und ihre Bewohner zu schützen. Immerhin darf ein Jäger auch nicht jedes Wildtier einfach so schiessen.
Hetzen eure Hunde (egal wie groß) Wildtieren hinterher, sind die Jäger zwar angehalten den Versuch zu starten eure Hunde einzufangen. Allerdings müssen wir zugeben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch einen mittelgroßen Hund (z.B. Appenzeller Sennenhund) in unwegsamen Gelände einfängt sehr gering ist. Der Jäger wird also den Lösungsansatz mit der höchsten Erfolgsquote verfolgen.

Wann ist Brut- und Setzzeit?

01. März bis 15. Juli

blaues hundeauge husky Hundeschule Fellnase

Was ist “selbstbelohnendes Verhalten” und wie kann man es effektiv im Hundetraining nutzen?

Über den Ausdruck “selbstbelohnendes Verhalten” sind wohl die meisten Hundehalter in ihrem Leben schon gestolpert. Genauso wie “positive Verstärkung”, “Jagdtrieb” und “Unterordnung” gehört es zu den “legendären” Begriffen, denen man in der Hunde-Szene einfach nicht entkommt – und in diesem Falle aus gutem Grund!

blaues hundeauge husky Hundeschule Fellnase
Ist Augenkontakt mit dem Hund selbstbelohnend für den Menschen? (Ja)

Wozu dient selbstbelohnendes Verhalten?

Für die einfachste Erklärung müssen wir einen kurzen Umweg schlagen – nämlich zum Vorfahren des Haushundes, dem Wolf. Auch der Wolf verfügt über eine Vielzahl von selbstbelohnenden Verhalten. Eines davon nehmen wir etwas genauer unter die Lupe, nämlich das Jagdverhalten.


Dieses Jagdverhalten beinhaltet mehr Verhaltensweisen als nur “Jagen-Töten-Fressen”. Immerhin muss der Wolf seine Beute ja erstmal finden. Der genaue Ablauf eines solchen Jagdverhaltens würden den Rahmen dieses Beitrages sprengen, deshalb werde ich dieses Thema in einem anderen Beitrag beleuchten. Was wir jedoch unbedingt wissen müssen, ist die Erfolgsquote des Wolfes bei der Jagd. Diese ist nämlich erschreckend gering.

Je nach Ursprungsland des Wolfes gibt es hier selbstverständlich Unterschiede. Bei den mitteleuropäischen Wölfen liegt die Erfolgsquote bei der Jagd jedoch nur bei etwa 10% (Quelle: https://chwolf.org/woelfe-kennenlernen/biologie-ethologie/jagd-und-fressverhalten).

Und genau diese geringe Erfolgsquote ist der Grund dafür, dass selbst diese Handlung beim Wolf ein gutes Gefühl auslöst. Zunächst erschließt sich der Zusammenhang nicht ganz, das verstehe ich. Schauen wir uns das ganze also doch ein wenig genauer an.

Jaeger nutzen selbstbelohnendes Verhalten ihrer Jagdhunde für ihre Zwecke
Jäger nutzen das selbstbelohnende Jagdverhalten der Hunde zu ihren Zwecken.

Jagdverhalten – das berühmteste selbstbelohnende Verhalten unter die Lupe genommen.

Wie wir eben gelernt haben, hat der Wolf eine Jagderfolgsquote von rund 10%. Außerdem haben die meisten Hundehalter schon davon gehört, dass Jagdverhalten selbstbelohnend ist. Woher kommt nun der Zusammenhang? Wie kann ein Verhalten, welches so oft scheitert, das Individuum selbst belohnen?

Wir sind uns wahrscheinlich alle darüber einig, dass die Jagd für den Wolf eine überlebenswichtige Notwendigkeit darstellt. Durch Beobachtungen an wild lebenden Tieren konnte man zwar beobachten, dass sich auch Wölfe gelegentlich von Aas ernähren, dennoch gibt es leider keine Garantie dafür, dass der Wolf dies in ausreichender Menge in der Natur findet. Das macht die Verhaltensweise “Jagd” so wichtig.

mongolischer wolf in winterlandschaft Hundeschule Fellnase
Der Wolf muss sich in seiner Umwelt orientieren um sich sicher zu fühlen.

Würde das Tier nun aufgrund seiner geringen Erfolgsquote die Jagd einstellen, stünde der Sensenmann in kürzester Zeit vor der Tür. Hier spielt nun eine grundlegende Fähigkeit des Gehirns von Säugetieren eine unglaublich wichtige Rolle: Das Gehirn versucht mit allen Mitteln nicht zu sterben. Klingt absolut banal, bewusst darüber nachgedacht haben aber bislang die wenigsten Leute.

Das Gehirn versucht nun also alle Verhaltensweisen, die dazu führen, dass das Überleben gesichert ist, zu behalten. Immerhin könnte jede Futterquelle oder jeder sichere Unterschlupf irgendwann einmal das eigene Überleben oder zumindest das Fortbestehend der eigenen Art sichern ( – und ja, Tierarten sind sehr an dem Fortbestehen ihrer Art interessiert).

Über die Evolution des Wolfes hinweg haben sich vor Allem die Tiere fortgepflanzt, die besonders gut an ihre Umwelt angepasst waren und in der Welt ausreichend Futter, Trinkwasser und Unterschlupf gefunden haben. (Auch das klingt banal, aber ich sage es lieber dazu: ) Die Tiere, die dazu nicht in der Lage waren, litten an Hunger und sind entweder aufgrund Mangelernährung, Erkrankung oder allgemein zu geringer Anpassung an ihre Umwelt ausgestorben.

Welche selbstbelohnenden Verhalten gibt es noch?

Jede Menge – ein guter Anhaltspunkt ist immer der ursprüngliche Verwendungs- und Zuchtzweck der jeweiligen Hunderasse. Man hat nicht jeder Generation von Vorstehhunden das Verhalten erneut beigebracht. Das hätte so viel Zeit und Mühe gekostet, dass der Mensch die Zucht schnell aufgegeben hätte.

Stattdessen hat man mit Hunden gezüchtet, die diese Verhaltensweisen selbstständig und gerne zeigten. Dieses Prinzip trifft auf (fast) alle Hunderassen zu. Und ein Verhalten, welches der Hund aus eigenem Antrieb und selbstständig, also ohne Fremdeinwirkung zeigt, ist automatisch selbstbelohnendes Verhalten.

So gehört es beispielsweise bei den meisten Herdenschutzhunden zu den selbstbelohnenden Verhaltensweisen skeptisch auf fremde Menschen zu reagieren. Oder beim Beagle seine Nase und sein Gebell dazu zu benutzen, Füchse und andere Tiere ausfindig zu machen und aufzuschrecken.

Ich persönlich Nutze ein selbstbelohnendes Verhalten des Australian Shepherds für meine Freizeitgestaltung mit Shadow:
Diese Rasse wurde vorwiegend dazu gezüchtet, neben den berittenen Ranchern herzulaufen und Rinder zu treiben.

Nein. Ich treibe keine Rinder. Aber ich mache mit Shadow sehr gerne Fahrradtouren durch unseren Landkreis. Während der Fahrt mache ich mir nahezu keine Gedanken darum, ob er noch in meiner Nähe ist und ob er nicht gleich davonläuft, wenn er etwas spannendes sieht.

Neben dem “berittenen” Hundetrainer herzulaufen und die Gliedmaßen beim Laufen durchzustrecken macht ihm nämlich so viel Spaß, dass er schon einige Katzen, Hasen und andere Hunde stehen lassen hat, um mit mir zusammen Rinder zu treiben – Quatsch aber ich bin mir sicher, ihr versteht worauf ich hinaus will.

IMG 4966 Hundeschule Fellnase
Für mich sind diese Fahrradtouren mit Shadow übrigens auch selbstbelohnend 🙂

Wie kann ich selbstbelohnendes Verhalten im Training nutzen?

Sicher sollt ihr jetzt nicht nach jedem “SITZ” eurer Hunde anfangen, ausgiebige Fahrradtouren zu starten. Allerdings gibt es dennoch Verhaltensweisen, die wir an das Ende einer einzelnen Übungssequenz mit unseren Hunden setzen können, um die Hunde allein durch ihr Verhalten zu belohnen.

Bleiben wir bei den Beispielen für eine leichte Veranschaulichung bei Shadow. Ich kann inzwischen aufgrund der Zucht, Haltung und der Erfahrung mit ihm zusammen ausmachen, was ihm Spaß macht, ohne dass ich ihn dazu motivieren muss. Eine dieser Verhaltensweisen habe ich oben schon genannt: Rennen.

In den ersten Monaten in denen Shadow bei uns lebte haben wir einige unserer Trainings indoor veranstaltet – immerhin war Winter und ich hatte auch nicht immer Bock auf “Zwiebellook” und kalte Zehen. Also war eines der ersten Dinge, die ich ihm beigebracht habe, Gegenstände zu umrunden. Immerhin ging das Indoor und gab uns großes Potenzial für verschiedene Übungen.

Anfangs wusste Shadow selbstverständlich nicht, was er mit den großen blauen Kegeln anfangen sollte, die in unserem Wohnzimmer stehen. Mit der Zeit kam aber Übung. Mit der Übung kam die Leichtigkeit und Einfachheit. Und Dinge die leicht und einfach sind, werden sehr viel wahrscheinlicher abgespielt, als neue Verhaltensweisen, die in ihrer Umsetzung noch viel Konzentration und Mühen brauchen – selbst wenn diese selbstbelohnenden Verhalten genetisch fixiert sind.

Inzwischen hat Shadow unglaublich viel Spaß an dieser Beschäftigung. Gleichzeitig kann ich diesen Spaß ausnutzen, um Shadow zur Belohnung nach einer erfolgreichen Übung um einen Gegenstand zu schicken – immerhin macht ihm das Spaß. Er wird also für erfolgreiche Zusammenarbeit mit etwas belohnt, was ihm von sich aus gefällt – ohne dass ich es zusätzlich mit Futter aufhübschen muss.

Inzwischen hat Shadow so große Freude daran, Gegenstände zu umrunden, dass wir daraus unser eigenes “Freestyle-Longieren” entwickelt haben und dies immer weiter verbessern. Außerdem hat sich eine ganz vorzügliche Überraschung bei unseren Fahrradtouren gezeigt. Durch Zufall und Blödelei habe ich entdeckt, dass Shadow sich während der Fahrt um das Fahrrad herum longieren lässt.

Was zunächst sinnlos und unpraktisch erscheint ist aber absolut unbezahlbar, wenn ich möchte, dass er auf der anderen Seite des Fahrrads läuft. Also, dass er von links nach rechts oder von rechts nach links wechselt. Dies musste ich nicht mehr extra mühselig aufbauen, sondern ist mehr oder weniger durch glückliche Umstände beim Longieren entstanden.

Die Idee für das Fahrradfahren mit Hund hatte ich übrigens aufgrund dieses absolut wunderschönen Videos von der Firma Shimano:

Fazit

Selbstbelohnende Verhalten sind aufgrund der Stammesgeschichte für den Hund etwas überlebenswichtiges. Häufig sind diese Verhaltensweisen leider inkompatibel mit den Vorstellungen der Halter oder der Gesellschaft und müssen umständlich abtrainiert oder in kontrollierte Bahnen geleitet werden.

Jedoch haben diese Verhaltensweisen auch etwas gutes an sich. Sie verschaffen uns ein besseres Verständnis über unsere Hunde und deren Vorlieben. In vielen Fällen können wir die Hunde mit diesen Verhaltensweisen auch ohne große Mühen im Hundetraining belohnen.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte dir ein bisschen Wissen und Anregungen zum Thema “selbstbelohnendes Verhalten” vermitteln. Wenn du Interesse an mehr Wissenswerten Themen hast, besuche doch unseren Blog.
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FAQ

Was heißt “selbstbelohnend”?

Das ist eigentlich ziemlich einfach. Es bedeutet, dass eine Handlung selbst ein angenehmes Gefühl auslöst. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Empfindung der Aufregung beim Achterbahn fahren gleicht, oder dem entspannendem Gefühl, wenn man sich zuhause auf seine gemütliche Couch setzt.

Muss man “selbstbelohnendes Verhalten” noch zusätzlich belohnen?

Nein.
Im Gegenteil – in den meisten Fällen ist das nur schädlich. Das spielerische Lernverhalten eines Welpen in seiner Umwelt beispielsweise ist “selbstbelohnend”, weil er erkennt, was ihm Schaden zufügen könnte und was für ihn gut ist. Diese Erkenntnis verschafft ihm Sicherheit. Wenn wir das Ganze durch den Gebrauch von Leckerchen entfremden, entdeckt der Hund nicht mehr mit einer spielerischen Motivation, sondern um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, nämlich um Leckerchen zu bekommen. Dadurch wird dem Hund das Gefühl der “Sicherheit” als Belohnung nicht mehr ausreichen.

Kann “selbstbelohnendes Verhalten” schädlich sein?

Leider ja.
Nehmen wir mal an, wir hätten ein ganz leichter Kitzel-Gefühl auf unserer Kopfhaut und durch leichtes kratzen wäre dieses Gefühl weg. Aufgrund von unbeeinflussbaren Umweltfaktoren (wie z.B. Allergien) tritt dieses Gefühl nun häufiger auf und wir kratzen uns häufiger am Kopf. Soweit so gut – noch kein Problem zu erkennen.
Bleibt das Kratzen am Kopf jedoch die einzige Handlung, die eine Besserung verspricht, so sieht die Sache schnell anders aus. Haben wir nun zum Beispiel eine Verletzung am Kopf und kratzen diese immer wieder auf und erfahren dadurch Erleichterung, weil danach das störende Kitzel-Gefühl ausbleibt, würden wir uns unbewusst selbst verletzen.
Selbstverständlich gibt es hier aber noch eine Vielzahl anderer Beispiele.

Wann ist ein Verhalten “selbstbelohnend”?

Sobald die Durchführung einer Handlung selbst ein angenehmes Gefühl auslöst.
Wir Menschen kennen das von unseren Hobbies. Manche Menschen spielen in ihrer Freizeit gerne Gitarre, andere Wandern gerne, wieder andere spielen Videospiele. Keine dieser Handlungen hat einen direkten offensichtlichen Vorteil für uns. Das Spielen der Gitarre macht uns nicht satt. Das Wandern verschafft uns keine Sicherheit und das Spielen von Videospielen verbessert nicht unseren Status in unserem Sozialgefüge.
Dennoch wirken diese Dinge auf die Menschen belohnend, weil wir dadurch entspannen können, uns an der Umwelt erfreuen und Bergluft atmen können oder auch weil wir in Videospielen unsere Fertigkeiten anderen Spielern präsentieren können.

Haben alle Hunde die gleichen “selbstbelohnenden Verhalten”?

Ja und Nein.
Das Erkundungsverhalten von Hunden ist zum Beispiel bei allen Hunden genetisch fixiert. Das bedeutet, dass es jeder Hund gut findet, seine Umwelt zu erkunden. Anders sieht es jedoch bei gebrauchsspezifischem Verhalten aus. Altdeutsche Hütehunde finden es super, Lebewesen (im Optimalfall Schafe) zu kontrollieren. Ein Border Collie hingegen kontrolliert diese Tiere nicht. Diese Rasse hetzt bzw. treibt diese Tiere. Auf diese Idee würde beispielsweise ein Basset nie kommen.
Es gibt also je nach Rasse und Lebensumfeld unterschiedliche selbstbelohnende Verhalten.

Kann man selbstbelohnende Verhaltensweisen abtrainieren?

Potenziell ja – wobei man sich das Verhalten und das jeweilige Individuum immer im Einzelfall betrachten muss. Manche Verhaltensweisen werden durch unbewusste Bestätigung durch den Halter oder andere intermittierende Verstärkungen (dazu folgt ein Blog-Beitrag) am Leben gehalten. Solange dies passiert, kann man die Verhaltensweisen nicht abtrainieren.

junge frau mit hund im gebirge Hundeschule Fellnase

Hund zieht an der Leine – 3 essentielle Tipps um die Leinenführigkeit deines Hundes erfolgreich zu verbessern.

Warum zieht der Hund überhaupt an der Leine?

Wer hat sich diese Frage nicht schon gestellt: “Warum zieht mein Hund an der Leine? Das muss doch unangenehm sein.”. Per se ist das auch richtig. Trotzdem gibt es in jeder Stadt, nein wahrscheinlich sogar in jedem Dorf in Deutschland einen Hund, der an der Leine zieht. Die Hunde (und deren Halter), die also an diesem Verhalten leiden, sind nicht allein. Heute möchte ich ein wenig Aufklärung leisten, woher das Ziehen an der Leine kommt, warum es so lange bei den Hunden bestehen bleibt und mit welchen einfachen Schritten man die Leinenführigkeit des Hundes verbessern kann.. 

Eine gute Leinenführigkeit führt zu einem entspannten miteinander mit dem Hund.
Eine gute Leinenführigkeit sorgt für ein gutes Verhältnis zwischen Mensch und Hund.

Mein alter Hund hatte eine gute Leinenführigkeit. Mein neuer Hund zieht aber wie Hechtsuppe. Woran liegt das?

Selbstverständlich ist dieses Verhalten stark von der körperlichen Verfassung des Hundes abhängig. Ein Hund, der aufgrund seines Alters oder einer Krankheit an Bewegungseinschränkungen leidet, wird tendenziell sehr viel weniger an der Leine ziehen als ein pubertärer Junghund. Der alte Hund hat gelernt, dass es anstrengend und unangenehm ist, an der Leine zu ziehen. Außerdem möchte er keine Kraft verschwenden, die er für andere alltägliche Dinge benötigt, wie Treppen laufen oder auf die Couch des Besitzers springen. Diese Hunde haben also mit großer Wahrscheinlichkeit eine bessere Leinenführigkeit.

Auch Hunde, die aufgrund ihrer Zucht in der Atmung oder Bewegung eingeschränkt sind, werden im Vergleich weniger an der Leine ziehen. Ein Mops oder eine Französische Bulldogge, die aufgrund ihrer kurz gezüchteten Nasen häufig an Atemproblemen leiden, werden im Durchschnitt weniger (oder jedenfalls nicht so lange Zeit am Stück) an der Leine ziehen als Hunderassen mit normalen Atemwegen. Dafür ist die Ressource “Atemluft” zu wichtig. 

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Hunde mit brachyzephaler Kopfform haben häufig Atemprobleme.

Gibt es Rassen, die mehr oder weniger stark an der Leine ziehen? 

Durchaus – und der Grund dafür ist sehr viel einfacher, als man zunächst vermuten könnte: Bei der Gebrauchszucht verschiedener Rassen (also die Art von Zucht, die bestimmte Rassen überhaupt erst hervorgebracht hat) wurde auf bestimmte Verhaltensweisen und Charakteristika selektiert. Daher auch der Begriff “selektive Zucht”. So wurde beispielsweise bei Hunden wie den Altdeutschen Hütehunden darauf Wert gelegt, dass sie gerne andere Lebewesen kontrollieren und selbstständig Grenzen ablaufen (selbstbelohnendes Verhalten – hier geht’s zum Beitrag).

So wurde bei Schlittenhunden wie dem Husky und dem Hound vor allem darauf geachtet, dass diese Hunde viel Aufwand damit verbringen, den Hundeschlitten zu ziehen. Es wurde bei der Zucht also unter anderem darauf selektiert, dass diese Tiere in der Lage sind, in Gruppen ein großes Gewicht (Schlittenführer, Schlitten & Gepäck) hinter sich herzuziehen. So gehört es bei diesen Rassen also sogar zu den selbstbelohnenden Verhaltensweisen, an der Leine zu ziehen. Leinenführigkeit war also das absolut unerwünscht – sogar eher nutzlos!

Ein bisschen anders sieht es bei Rassevertretern der Herdenschutzhunde aus. Bei diesen Hunden wollte man zwar nicht, dass sie einen Schlitten hinter sich herziehen, allerdings hat man insgesamt auf das Thema “nicht zu ziehen” keinen Wert gelegt. Diese Hunde lebten immerhin vergleichsweise frei in einer Art Symbiose mit den Schafen, Ziegen und anderen Nutztieren an der Seite des Menschen. Man hat bei diesen Rassen eher darauf Wert gelegt, dass sie widerspenstig sind und sich nicht von Fremden beeinflussen lassen (auch nicht durch Futter).

Das Laufen an der Leine war diesen Völkern und Kulturkreisen absolut fremd. Der Hund wäre ja an der Leine nicht in der Lage gewesen, seine Arbeit zu erledigen oder sich nach Wasser / Futter umzusehen. Es war diesen Menschen schlicht und ergreifend egal, ob diese Hunde an der Leine laufen können. Diese Tiere verfügen über ganz andere Qualitäten. 

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Sogar die Genetik beeinflusst schon die Leinenführigkeit.

Mein Australian Shepherd Welpe zieht an der Leine – ist das auch Genetik?

Ja und Nein – auch der Australian Shepherd wurde nicht gezüchtet, um von Geburt an gute Leinenführigkeit zu zeigen. Bei Hunden, die für enge Zusammenarbeit mit Menschen gezüchtet wurden, haben wir allerdings einen entscheidenden Vorteil: Diese Hunde wollen um jeden Preis dem Menschen gefallen und mit ihm zusammenarbeiten. Dadurch sind sie einfach zu trainieren, da sie schnell lernen und gerne mitarbeiten. Bei einem Welpen, der an der Leine zieht, liegt das Problem sehr häufig am anderen Ende der Leine – beim Halter. 

Tagtäglich sehe ich Hundehalter, die ihren Hunden hinterherlaufen, wenn dieser irgendwohin möchte. In anderen Fällen bleiben die Hundehalter stehen, wenn der Hund gerade am liegen gebliebenen Kackhaufen eines anderen Hundes schnüffelt. Da sowohl unsere Hunde als auch wir Menschen 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche lernen, prägen die Erfahrungen, die der Welpe hier macht, auch sein späteres Verhalten. Sehen wir uns das ganze doch mal genauer an. 

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Australian Shepherds lieben die Arbeit mit dem Menschen

Die drei Hauptgründe, warum Hunde an der Leine ziehen.

Aufgrund eines optischen oder olfaktischen (“geruchlichen”) Reizes bildet der Hund ein Bedürfnis aus: Ich will mir das ansehen/anriechen. 

Der Hund wird nun also versuchen, dieses Bedürfnis zu stillen. Dies ist tatsächlich auch genau der kritische Augenblick, bei dem die allermeisten Hundehalter leider “für” ihren Hund entscheiden. Zieht der Welpe nun ein bisschen an der Leine in die Richtung seiner Begierde, gehen die Menschen meistens ein paar Schritte hinterher, weil der Welpe ja die Welt entdecken muss.

In anderen Fällen haben die Halter nun Mitleid mit dem Hund, der an der Leine zieht und versucht, die Spannung zu verringern, indem sie dem Hund mehr Leine zur Verfügung stellen. Die ist “kurzfristig” vielleicht für den Hund angenehm, weil er die Spannung der Leine nicht mehr an Halsband / Geschirr spürt. Auf lange Sicht lernt der Hund aber genau das Gegenteil von dem, was der Mensch von ihm will: Wenn du lange/stark genug an der Leine ziehst, gebe ich nach und du kannst weitergehen.

In besonders ungünstigen Fällen wird der Effekt dadurch verstärkt, dass der Mensch bis zum Ziel des Hundes mitgeht. Der Hund kommt also unter gespannter Leine und viel Anstrengung seinem Ziel nicht nur näher, er erreicht es sogar irgendwann. In diesem Moment passiert mit der Leine etwas höchst ungünstiges.

Auf dem ganzen Weg zum Ziel des Hundes war die Leine gespannt, was für den Hund durchaus unangenehm ist – aber nunmal nicht “unangenehm genug”. Am Ziel des Hundes angekommen, bleiben nun die meisten Menschen gemeinsam mit ihrem Hund stehen. Dies führt dazu, dass die Leine zu diesem Zeitpunkt nicht mehr spannt. Der Hund wird hier also durch drei verschiedene Elemente belohnt: 

  1. Wenn der Hund sich Mühe gibt und lange/stark genug an der Leine zieht, kommt er seinem Ziel näher. 
  2. Irgendwann erreicht er sein Ziel und kann erkunden, was sich dort die ganze Zeit befunden hat. Sein Bedürfnis wird also “von selbst” gestillt.
  3. Am Ziel angekommen bleibt der Mensch mit dem Hund stehen und die Leine entspannt sich. Der Hund lernt: Wenn er sein Ziel erreicht, hört die Leinenspannung auf. 
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Auch Sitzen und Glotzen kann für den Hund selbstbelohnend sein.

Drei Tipps, die bei vielen Hunden die Leinenführigkeit schnell verbessern 

Mit dem Wissen aus dem vorherigen Absatz können wir nun sinnvolle Lösungsstrategien schmieden. Diese drei Tipps können dir ohne Umwege sofort helfen, die Leinenführigkeit deines Hundes zu verbessern.

1. An gespannter Leine sollte der Hund nie seinem Ziel näher kommen

Zieht euer Hund an der Leine in eine bestimmte Richtung, so solltet ihr am besten umgehend stehen bleiben oder sogar gänzlich die Richtung ändern. Je häufiger der Hund an gezogener Leine seinem Ziel näher kommt, desto häufiger (und intensiver) wird er dies in Zukunft machen. Außerdem ist das Timing hier entscheidend. Der Hundehalter sollte sofort agieren, wenn die Leinenspannung beginnt (also wenn er seinen Arm anspannen muss, um gegen den Zug seines Hundes anzukommen).

Geschieht dies nicht sofort sondern erst nach ein paar Sekunden/Schritten bleibt das Verhalten beim Hund weiterhin bestehen – immerhin kommt er ja doch seinem Ziel immer ein kleines Stück näher und eine gute Leinenführigkeit kann nicht entstehen.

2. Während der Hund an der Leine zieht, sollte er kein Bedürfnis befriedigen

Auch hier ist das ganze eigentlich relativ einfach erklärt: Wenn zum Beispiel ein Rüde an gespannter Leine an der Markierung einer läufigen Hündin riecht, so stört ihn die Leinenspannung in der Regel nur wenig. Ist die Gesamterfahrung für den Hund sogar noch von Vorteil (und selbst wenn es nur ein minimaler Vorteil ist, wie “Nachrichten lesen” an Pinkelstellen oder Ähnlichem), so wird der Hund dieses Verhalten in Zukunft häufiger zeigen. Auch hier ist es wichtig, dass der Halter sofort reagiert und den Hund nicht erst nach ein paar Sekunden stört, wenn der Hund sein Bedürfnis schon zu teilen befriedigt hat. (Stichwort “intermittierende Verstärkung” -> Blogbeitrag dazu kommt bald). 

3. Kontext Unterscheidung Freizeit / Training 

Machen wir doch mal ein ganz einfaches Gedankenspiel, mit einfachen Zahlen, damit es leichter zu rechnen ist:
Gehen wir mal davon aus, dass wir am Tag zwei mal mit dem Hund spazieren gehen – einmal morgens und einmal abends für jeweils eine Stunde. 

Wir sind also in Summe 120 Minuten unterwegs.

Davon nehmen wir uns jeweils die letzten 10 Minuten für Training mit dem Hund. Dabei bleibt sogar das Smartphone in der Tasche. 

Während diesen 10 Minuten fordern wir Dinge, die der Hund von alleine eigentlich nicht tun würde – sonst müssten wir sie ja nicht trainieren.
Für Blickkontakt und Orientierung bekommt der Hund unsere Aufmerksamkeit und ab und an vielleicht sogar ein Stück Futter.
Zugleich sind wir als Menschen aber auch konzentriert bei der Sache, diskutieren mit unserem Hund darüber, dass wir “PLATZ” verlangt haben und stoppen umgehend jedes unerwünschte Verhalten. 

Nach diesem Rechenbeispiel würden wir täglich 20 Minuten konzentriert mit unseren Hunden arbeiten. Wer das übrigens wirklich fleißig macht, der kommt seinem Trainingsziel mit seinem Hund sehr schnell sehr viel näher.
Trotzdem konnte der Hund insgesamt 100 Minuten lang seinen eigenen Interessen nachgehen: schnüffeln, wo er wollte, markieren, wenn er wollte und sich nach Lust und Laune auch mal im Dreck wälzen – der Mensch ist ohnehin zu langsam, um ihn zu stoppen.
In den 20 Trainingsminuten musste der Hund sich unserem Willen “beugen”. Er wurde zwar von uns dafür belohnt – so richtig hündisch war das allerdings nicht, was er in der Zeit gemacht hat. 

Und nun wollen wir unseren Hunden erklären, dass die 20 Minuten wichtig sind und die 100 Minuten (Freiheit) unwichtig. Das funktioniert schlichtweg nicht.
Es gibt allerdings eine Möglichkeit, es dem Hund dennoch näher zu bringen, und zwar indem wir dem Hund genau und eindeutig zeigen, wann welche Regeln gelten – durch die sogenannte Kontext Unterscheidung.

Leinen wir den Hund zum Training immer am Halsband an und der Hund kann im Gegensatz dazu am Geschirr sehr viel mehr Freiheit genießen, wird der Hund diese Regeln sehr viel leichter und schneller erlernen. Der Hund spürt tatsächlich ziemlich deutlich, ob er gerade an Halsband oder Geschirr geführt wird. Durch diese sich klar voneinander unterscheidenden Reize gelingt es in der Regel sehr viel einfacher und auch schneller, dem Hund das Konzept der Leinenführigkeit beizubringen.

3,5. Gewünschtes Verhalten belohnen (logisch, oder?) 😉

Das ist der 3,5te Tipp. Im Tempo des Menschen zu laufen ist für den Hund zum einen unglaublich anstrengend, da er immer auf der Bremse stehen muss. Die natürliche Bewegungsgeschwindigkeit des Hundes entspricht in etwa dem Jogging-Tempo eines Menschen. Zum anderen ist es furchtbar langweilig und eintönig, neben dem Menschen her zu laufen.

Der Hund hat keine Zeit, ausgiebig zu schnüffeln, kann nicht markieren und um sich zu lösen, müsste der Mensch ebenfalls stehen bleiben. Noch dazu haben die meisten Menschen heutzutage ihr Smartphone in der Hand und machen entweder während des Gassi Gehens Videos oder Fotos von ihren Hunden, oder sie sehen sich während des Gassi gehens auf Online-Shopping-Seiten oder im Social-Media um und haben keine Aufmerksamkeit für Ihre Hunde.

Kurzum ist das Verhalten an lockerer Leine neben dem Menschen zu laufen für den Hund etwas, worauf er nie von selbst kommen würde, weil es einfach zu viele Nachteile hat. Deswegen müssen wir es dem Hund so angenehm wie möglich gestalten, ohne das ganze unnatürlich zu gestalten und ständig mit Leckerchen in der Hand herumzulaufen. Eine gute Stimmung, gelegentliche Ansprache des Hundes und ab und an mal ein Stück Futter für besonders gute Leinenführigkeit und Orientierung helfen in den meisten Fällen Wunder. Wieso sollte der Hund auch neben einem Menschen herlaufen, wenn dieser im Grunde nur Leinenbalast ist und dabei nichts Angenehmes für den Hund herausspringt. 

husky an halsband angeleint Hundeschule Fellnase

Fazit 

Wir Menschen sind in den meisten Fällen leider maßgeblich am Lernprozess beteiligt gewesen, wenn unsere Hunde an der Leine ziehen. Um bei gemeinsamen Spaziergängen mit unseren Hunden nicht ständig genervt und schlecht gelaunt zu sein, sind wir nun ebenfalls in der Verantwortung, das Gelernte wieder umzulernen und das Ziel einer guten Leinenführigkeit unseres Hundes ernst zu nehmen. Wir sind es unseren Hunden schuldig, dass auch wir uns Mühe geben, mit ihnen einen harmonischen und entspannten Spaziergang zu erleben.

Die oben beschriebenen Tipps werden vielen Hundehaltern schon ein großes Stück in Richtung glückliches Zusammenleben mit dem Hund verhelfen. Diese Tipps bedeuten keinen besonders großen Aufwand und sind daher in jedem Fall einen Versuch wert. In besonders eingefahrenen Fällen oder bei ausbleibendem Erfolg sollte jedoch immer ein professioneller Hundetrainer kontaktiert werden.

Für Veranstaltungen rund um den Hund und für ein harmonisches Zusammenleben mit deinem Vierbeiner, besuche auch gerne unseren Online-Shop. 

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FAQ

  1. Kann man die Leinenführigkeit schon mit einem Welpen trainieren?

    Man kann es nicht nur, man sollte es sogar. Je früher man damit anfängt, desto leichter ist es. Je später wir damit beginnen, desto mehr Gelegenheit gibt es für den Welpen, Fehlverhalten zu erlernen.

  2. Wie lange dauert es, einem Hund eine gute Leinenführigkeit beizubringen?

    Hier kann man leider keine genaue Zeitangabe machen. Das hängt von Faktoren wie Alter und Gesundheitszustand von Mensch und Hund ab, sowie von der Rasse und wie Widerstandsfähig sich der Hund gegenüber den Maßnahmen zeigt.

  3. Gibt es Hilfsmittel um das Training schneller und einfacher zu gestalten?

    Es gibt Hilfsmittel, die beim Training der Leinenführigkeit helfen können. Diese sollten allerdings immer unter Anleitung eines professionellen Hundetrainers verwendet werden.

  4. Mein Hund reagiert an der Leine auf andere Hunde. Wie arbeite ich an der Leinenführigkeit?

    Bei einer sogenannten Leinenreaktivität sind häufig noch zusätzliche Trainings und Management-Methoden gefragt, damit der Hund nicht mehr in sein Fehlverhalten rutscht. Solange das erlernte Fehlverhalten gezeigt werden kann wird der Hund dies auch weiter so handhaben. Hier sollte immer ein professioneller Hundetrainer zu rate gezogen werden.

  5. Wie korrigiere ich meinen Hund, wenn er an der Leine zieht?

    Es sollte dem Hund lediglich unangenehm gemacht werden, an der Leine zu ziehen. Schmerzen oder Schrecken sind hier vollkommen überzogen und auch tierschutzrechtlich nicht zu vereinbaren. Auch starkes Rucken an der Leine ist kein adäquates Mittel für eine gute Leinenführigkeit. In den meisten Fällen reicht abruptes stehen bleiben oder rasche Richtungswechsel. Der Hund sollte lediglich “überrumpelt” werden.

  6. Soll ich meinen Hund an eine Schleppleine nehmen, damit er weniger zieht?

    Jain, wenn es zu einem entspannten Spaziergang führt, ist es durchaus ein Versuch wert. An Straßen oder Radwegen birgt eine lange Leine jedoch auch Gefahren für den Straßenverkehr. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Halter in die Leine verwickelt wird, oder der Hund durch abruptes ziehen den Halter oder sich selbst verletzt.

Fellnasen Logo 2022 Hundeschule Fellnase
Kompass Hundeschule Fellnase

Orientierung des Hundes am Halter – aus diesen Gründen ist sie wichtig und wie du sie trainierst.

Die Orientierung am Halter

Die Orientierung des Hundes an seinen Halter sieht für jedes Mensch-Hund-Team anders aus. Die einen möchten, dass ihr Hund während des Spaziergangs die ganze Zeit an lockerer Leine neben ihnen läuft und immer im Blick hat. Anderen wiederum ist es wichtig, dass ihr Hund sich ab einer bestimmten Entfernung zum Halter freiwillig und selbstständig umsieht und Blickkontakt zu seinem Halter aufbaut. Beides Verhaltensweisen sind Formen von Orientierung und gehören zu den grundlegenden Bausteinen einer harmonischen und vertrauensvollen Beziehung zwischen Hund und Halter.

Ein Kompass und eine Karte geben dem Menschen Orientierung.
Der Kompass und Karte gibt dem Menschen auf hoher See Sicherheit.

Wozu brauchen wir die Orientierung unserer Hunde?

Für die gemeinsame Zusammenarbeit mit unseren Hunden ist es wichtig, ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit unserer Hunde zu haben. Beim Rückruf, damit der Hund auf dem schnellsten Weg zu uns gelangt, oder um den Hund zu stoppen, bevor dieser trotz Leine die rote Ampel “übersieht” und auf die Straße läuft – ein Teil der Aufmerksamkeit des Hundes sollte im Alltag immer beim Menschen sein. Unsere Hunde leben in einer modernen Welt, die von Menschen für den Menschen gestaltet wurde. Dieser Umstand erschwert es den Hunden in vielen Situationen die “richtige” Entscheidung zu treffen, da die sinnvollste Entscheidung aus der Sicht des Hundes häufig nicht in die Menschenwelt (oder die moderne Gesellschaft) passt.

froehlicher corgi auf bahngleisen Hundeschule Fellnase
Ein orientierter Hund kann im Alltag erst so richtig aufblühen

Zeigen alle Hunde die gleichen Merkmale für Orientierung am Halter?

Diese Frage klingt auf der ersten Blick unglaublich banal, setzt man sich jedoch genauer mit diesem Thema auseinander, so bemerkt man wie vielschichtig das Thema wirklich ist. Wie bei den meisten Dingen spielen hier genetisch verankerte sowie erlernte Verhaltensweise eine gewaltige Rolle.

Hund A, der einer Jagdhunderasse angehört und gelernt hat, auf dynamische Umgebungsreize (also sich bewegende Objekte) zu achten, wird potenziell weniger freiwilligen und selbstständigen Blickkontakt zu seinem Halter aufbauen.
Hund B, der beispielsweise einer Hütehundrasse (Border Collie, Australian Shepherd, etc. ) angehört wird tendenziell mehr auf die Signale des Menschen achten, da diese Hunde für die Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet wurden. Diese Hunde zeigen aufgrund ihrer genetischen Veranlagung eher eine Orientierung zum Halter und empfinden dies auch in den meisten fällen als angenehm und selbstbelohnend.

Ein Hund der erlernt hat, auf dynamische Umgebungsreize (also sich bewegende Objekte) zu achten, weil er sie für jagdbar hält, wird potenziell weniger freiwilligen und selbstständigen Blickkontakt aufbauen, als ein Hund, dem diese Reize egal sind.

Aus diesem Grund hat auch die Genetik, also die Rasse des Hundes, einen großen Einfluss auf dessen Verhalten im Bezug auf seine Orientierung. Ein Beagle oder eine Bracke zum Beispiel leben in einer Nasenwelt – sie achten viel mehr auf die Gerüche in Ihrer Umgebung, als auf visuelle Eindrücke.

weisser maremmano abruzzese Hundeschule Fellnase
Der Maremmano Abruzzese (Wiki) wird noch heute aktiv als Herdenschutzhund eingesetzt.

Herdenschutzhunde hingegen wurden speziell dafür gezüchtet, um auch in Abwesenheit des Menschen selbstständig die Herde vor Eindringlingen, Dieben, fremden Artgenossen oder Raubwild zu schützen. Für diese Aufgabe war es nicht erforderlich, dass das Tier Blickkontakt zu seinem Halter sucht, oder sich in seiner Nähe aufhält.

Woran erkenne ich, ob mein Hund an mir orientiert ist?

Hierfür gibt es auch keine ganz eindeutige Antwort, denn wie im Absatz zuvor erklärt, neigen Hunde je nach Rasse und Lebenserfahrung zu unterschiedlichen Verhaltensweisen. Grundsätzlich ist jede körperliche Ausrichtung in unsere Richtung als versuch zu werten, sich an uns zu orientieren, ganz gleich ob wir den Hund dazu aufgefordert haben, oder ob er es freiwillig gezeigt hat. Wer seinen Hund ohne Leine führen kann, darf gerne folgendes ausprobieren:

Dein Hund befindet sich in einem Abstand von maximal 3 Metern vor dir. Ohne Vorwarnung wechselst du schnell (also im Laufschritt) die Richtung und läufst von deinem Hund davon. Nach wenigen Augenblicken werden viele Hunde sich zu ihrem Halter umdrehen und ihn verfolgen. Ohne Orientierung kann der Hund sich nicht zum Halter umkehren. Ohne dass sich der Hund zum Halter umkehrt, kann er ihn nicht verfolgen.

Für Hunde, die zur Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet wurden ist dies häufig auch ein lustiges Spiel, um die Orientierung des Hundes am Halter zu verbessern. Hierbei ist es allerdings wichtig, dass keine konkurrierende Motivation beim Hund existiert und dieser lieber die Brotzeit des letzten Wanderers am Wegesrand frisst, als zum Menschen zu kommen.

Eine Übung für bessere Orientierung des Hundes an seinem Halter

Auch das Trainieren des Blickkontakts auf Kommando hilft vielen Hunden, ein besseres Gefühl für deren Halter zu bekommen.
Bei Hunden, die noch kein Kommando für den Blickkontakt erlernt haben, ist es notwendig, dem Hund das gewünschte Verhalten im Training durch verschiedene Lock-Versuche beizubringen.

Die wahrscheinlich beliebteste und einfachste Variante ist das “Schau”-Spiel. Dabei benötigt man für den Mensch zum Verzehr geeignete Leckerchen in ca. 1*1 cm großen Stückchen (z. B. Wiener Würstchen, Käse, Leberkäse, etc.). Je nach Körpergroße des Hundes darf die Größe der Belohnung selbstverständlich variieren. Der Hund sollte dadurch nicht satt werden, stattdessen sollten es eher kleine und gut abschluckbare Leckereien zwischendurch sein. Bei schlechter Bindung zum Halter und komplett fehlender Orientierung kann hier aber auch mit dem der Futterration des Hundes gearbeitet werden.

zotteliger Hund schnappt Futter aus der Luft Hundeschule Fellnase
Das “Schau”-Spiel ist für verfressene Hunde ein großer Spaß.

Der Hundehalter nimmt nun eines dieser Stücke in den Mund und schiebt es sich zwischen die Backenzähne und die Wange. Danach sagt der Halter das Wort “Schau” und spuckt seinem Hund das Leckerchen zu. Zu Beginn der Übung spielt es noch keine Rolle, ob der Hund auf das Wort “Schau” hin wirklich Blickkontakt aufgebaut hat. Nach wenigen Versuchen lernen die meisten Hunde, dass der Mensch nach diesem Wort ein Leckerchen auf den Boden spuckt.

Hunde möchten ihre Belohnung immer schnellstmöglich und auf dem direkten Weg (der Mensch übrigens auch), deshalb wird der Hund schnell anfangen nicht mehr auf den Boden zu achten, auf dem die Leckereien landen, sondern wird erkunden, wo die Würstchen herkommen.

Nach wenigen Wiederholungen in denen der Hund sieht, dass das Leckerchen aus unserem Mund kommt, wird der Hund nun auf den für ihn Ersichtlichen Ursprung des Leckerchens fixiert sein und rasch Blickkontakt aufbauen, wenn das Wort ertönt, welches ihm bis zu diesem Punkt immer ein Leckerchen versprochen hat – “Schau”.

Hat der Hund dies einmal verstanden, führen weitere Wiederholungen zu einer Festigung des Gelernten und letztendlich dazu, dass der Hund dies in Zukunft schnell abrufen kann. Genau wie alles andere, was wir im Training mit unseren Hunden in kleinen Schritten auftrainieren, muss auch das “Schau” immer wieder wiederholt werden, damit es nicht an Bedeutung verliert und der Hund es dauerhaft schnell und freudig zeigt. 

braunes hundeauge Hundeschule Fellnase
Häufig fordern wir Menschen den Blickkontakt unserer Hunde ein.

Wenn du mehr Tipps möchtest, um die Orientierung deines Hundes zu dir zu verbessern, oder Schwierigkeiten im Training hast, kannst du uns gerne jederzeit kontaktieren. Wir verhelfen dir und deinem Hund gerne zu einem entspannten Alltag miteinander.

Für Veranstaltungen rund um den Hund und für ein harmonisches Zusammenleben mit deinem Vierbeiner, besuche auch gerne unseren Online-Shop.
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FAQ

  1. Wozu brauche ich die Orientierung meines Hundes?

    Ein orientierter Hund kann Anweisungen seines Halters viel schneller befolgen. Gerade in der modernen und teilweise sehr belebten Menschenwelt ist dies ein wichtiges Element, um dem Hund Freiheiten geben zu können.

  2. Welche Übungen kann ich machen um die Orientierung zu verbessern?

    Das “Schau”-Spiel oder rasche und freudige Richtungswechsel bewirken bei vielen Hunden wunder. Eine einfache Erklärung dazu findest du in diesem Beitrag.

  3. Ist es schlecht für die Bindung, wenn der Hund nicht orientiert ist?

    Gerade selbstständige Hunde(rassen) tendieren dazu, ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Nicht alle Hunde sind gleich. Weder im Körper noch im Geist. Daher erfüllen viele Hunde die gleichen Aufgaben auf verschiedene Art und Weise. Es ist immer darauf zu achten, welche Veranlagung der Hund anhand seiner Rasse mitbringt. Ein Beispiel dazu findest du in diesem Beitrag.

  4. Kann der Hund auch lernen, sich an einem bestimmten Gegenstand wie einem Target zu orientieren?

    Grundsätzlich ja – häufig ist hierbei gemeint, dass Hunde einen bestimmten Gegenstand oder eine fremde Person im Fokus halten. Besonders im Schutzdienst ist dies gefordert, um eine fremde Person solange zu verbellen, bis der Halter den Hund erreicht hat. Es ist aber wichtig zu betonen, dass nicht alle Hunderassen zu dieser Leistung in der Lage sind.

Hundeschule Fellnase
Blue Merle Collie mit Blumen-Halskette

Wir feiern unser Jubiläum!

Die Zeit vergeht so unfassbar schnell – es kommt uns vor wie letzte Woche, als wir unseren Platz in Ammerthal bezogen haben. Mit unserer eigenen Hundeschule haben wir uns einen großen Traum erfüllt. Wir sind täglich dankbar dafür, dass wir diese Gelegenheit haben und möchten die erfolgreiche Umsetzung unseres Traumes nun mit euch zusammen feiern!

Am Samstag, den 07. Mai 2022 möchten wir mit euch auf unserem Übungsgelände den Erfolg unseres ersten Trainings-Jahres feiern und uns mit euch auch über neues austauschen, was wir für die Zukunft geplant haben.
Und wie es sich für eine Feierlichkeit gehört fehlt es natürlich auch nicht an Speis und Trank 🍕🥤
Für hungrige Gäste gibt’s neben Kaffee und Kuchen natürlich auch Bratwurst-Semmeln. Unser Getränkesortiment werden wir mit unserem Verpächter, Herrn Jörg Müller, noch zusammenstellen – aber auch hier wird jeder auf seine Kosten kommen, egal ob Mineralwasser oder alkoholfreies Radler 😉.

Ein großartiges Highlight stellt an diesem Tag der Besuch unserer befreundeten Fotografin Andrea Witthauer (https://www.tierfotografie-witthauer.de/) dar. Einige von euch kennen wahrscheinlich schon ihre Werke oder ihr habt bei einem Spaziergang durch die Amberger Innenstadt ihre Fotos in einem Schaufenster gesehen. Wir sind quasi süchtig nach ihren Bildern und freuen uns daher sehr darüber, dass Andrea an diesem Tag einige Termine für euch bereitgestellt hat, um eure Vierbeiner ablichten zu lassen 🐕📸.
Die Termine könnt ihr >>>HIER<<< buchen. (https://www.terminland.de/tierfotografie.witthauer).

Wir freuen uns sehr über alle Besucher und die großartigen Momente, die wir zu dieser Feier mit euch teilen dürfen!

Fellnasen Sommerfest Flyer 2022
hund in zwinger Hundeschule Fellnase

Tierschutz-Talk mit Anja Petrick und Jochen Bendel

Die Zeitschrift “Der Hund” hat mir im Rahmen ihrer Online-Trainingstage die fantastische Möglichkeit gegeben, mich zusammen mit Chefredakteurin Frau Susanne C. Steiger, Redakteurin Veronika Rothe, Hundetrainerin Anja Petrick und Author Jochen Bendel über das Thema “Tierschutzhunde” auszutauschen.

Ich möchte mich noch einmal für diese unglaubliche Erfahrung bedanken und freue mich in Zukunft mehr von den vieren zu hören 🙂

Die Aufnahme des Live-Talks zwischen Susanne C. Steiger, Veronika Rothe, Anja Petrick, Jochen Bendel und Philipp Stockerl zum Thema “Tierschutzhunde”.
Schlafender Hund mit Ameise Hundeschule Fellnase

Über die Wieder-Eröffnung der Hundeschulen

In der Sendung “jetzt red’ i” des Bayerischen Rundfunk vom 24.02.2021 stellt eine Zuschauerin die Frage, warum Hundeschulen den Betrieb im Freien nicht wiederaufnehmen dürfen. Diese Frage “bewegt” Herrn Doktor Markus Söder nach eigener Aussage so sehr, dass ihm viele Antworten einfallen – leider ist dabei weder eine direkte, noch eine wie von der Zuschauerin gewünscht “nachvollziehbare” Antwort auf die gestellte Frage enthalten.

CoronaHundeschulenFlyer Hundeschule Fellnase

#WirBrauchenOffeneHundeschulen

Aufgrund der großen Nachfrage in letzter Zeit habe ich mich dazu entschlossen, ein kurzes Statement zu der aktuellen Situation bezüglich der andauernden Schließung der Hundeschulen in Bayern (und vielen anderen Bundesländern) zu veröffentlichen.

Wer mich nicht kennt, dem möchte ich kurz sagen, dass ich durchaus viel Verständnis für die angespannte pandemische Situation habe, in der wir uns befinden. Ich selbst nehme den Infektionsschutz sehr ernst und halte mich mit gutem Gewissen stets an die Kontaktbeschränkungen.

Auf keinen Fall möchte ich auch in irgendeiner Weise die Wichtigkeit der körperlichen Gesundheit unserer aller Mitbürger schmälern – dennoch gibt es neben der Argumentation für das Tierwohl der Haushunde auch den Aspekt der psychischen Gesundheit, die durch das Fehlen von Normalität beeinträchtigt wird.

Mehrere Studien haben bereits ergeben, dass besonders das Seelenwohl von Kindern und Jugendlichen an den weiter herrschenden Kontaktbeschränkungen in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch wenn wir mit unseren Hunden weiterhin die “Freiheit” des Spaziergehens als ein Stück “Normalität” wahren können, ist das ausbleiben von Sozialkontakten (genau wie beim Menschen) besonders für die Welpen und Junghunde unmittelbar mit Problemen verbunden.

Zum einen können wir als Hundetrainer den Hundehaltern nicht mehr die Möglichkeit bieten, die Welpen angemessen zu Sozialisieren und somit auf das Leben sowohl mit Artgenossen als auch dem Mensch (in seinen vielen unterschiedlichen Altersgruppen) als Sozialpartner vorzubereiten und den Haltern in diesen Fragen mit Rat zur Seite zu stehen.

Es kommt noch erschwerend hinzu, dass es eine Vielzahl von Hunden und deren Haltern gibt, die vor deutlich schwierigeren Problemen stehen. Viele Verhaltenstrainings können nicht fortgesetzt werden, was für die meisten Problemverhalten nicht nur bedeutet, dass keine Verbesserung eintritt, sondern dass sich das negative Verhalten der Hunde weiter festigen kann. Obwohl wir Hundetrainern den Menschen mit ihren Hunden aus Leidenschaft gerne zur Seite stehen, sind uns aktuell die Hände gebunden.

Die Öffnung von Friseuren ist sicherlich für viele Mitbürger ein Segen und auch ich selbst freue mich durch einen Friseurbesuch wieder ein Stück des “normalen Lebens” zurück zu erhalten – aber vor allem hoffe ich, dass dies das erste Zeichen der Einsicht ist. Ich schöpfe daraus die Hoffnung, dass bald nicht nur Friseure und Fahrlehrer, sondern hoffentlich bald auch der Einzelhandel und wir Hundetrainer als Dienstleister unsere Arbeit wieder aufnehmen können.

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Welcher Hund passt zu mir?

Bei der Anschaffung eines Hundes gibt es selbstverständlich viele Fragen, die im voraus zu klären sind: Kann man sich den Hund mit seinen Verpflegungs- & Tierarztkosten leisten? Wo soll der Hund schlafen? Welchen Namen soll der Hund bekommen?
Einer der größten Fragen, die trotz ihrer Wichtigkeit leider nur selten fertig gedacht wird, schenken wir heute etwas mehr Aufmerksamkeit: “Welcher Hund passt zu mir?” 

In einem Großteil der Fälle wird sich der Hund zwei Hauptmerkmalen ausgesucht – ihrer Tauglichkeit als Familienhund und aufgrund der Optik des Hundes. Natürlich gibt es jetzt den einen oder anderen Leser da draußen, auf den das kein bisschen zutrifft und das ist auch gut so! Dennoch bitte ich diejenigen, die sich nicht angesprochen fühlen mal nachzudenken, ob es in ihrem Bekanntenkreis nicht doch den einen oder anderen Hundebesitzer gibt, der sich mit absichtlich eine bestimmte Fellfarbe, Felllänge oder Fellzeichnung bei seinem Tier ausgesucht hat. Immerhin gibt es nicht umsonst Fellfarben wie “Blue Merle” bei Hunden.
Andere wichtige Rassemerkmale wie der Jagdtrieb, der Wachtrieb oder die Menge an Auslastung, die ein Hund benötigt, werden leider oft in den Hintergrund gestellt, wenn dafür das Äußere des Tieres den hohen Schönheits-Idealen des Menschen genügt. Häufig verliebt man sich in die körperlichen Merkmale einer Rasse und bei Fragen bezüglich der Auslastung wird schnell zu Antworten wie “das schaffen wir schon” oder “so schlimm wird das schon nicht sein” gegriffen. Eine weitere Ausrede ist auch gerne: “mein Bekannter hat auch Rasse XYZ und der ist ganz entspannt, auch bei wenig Beschäftigung”. 

Natürlich ist Nachbars Schnuffi ein anderer als der, den man vom Züchter bekommt, auch wenn es die gleiche Rasse ist. Ich bin auch ein ganz anderer Mensch, als meine Cousins und Cousinen, obwohl wir der gleichen Familie angehören.
Die individuellen Unterschiede innerhalb einer bestimmten Rasse können zwar enorm sein, dennoch sind die Rasse-Beurteilungen, die man in vielen Büchern zum Thema Hunderassen lesen kann durchaus gute Erfahrungswerte. Es gibt in jeder Angelegenheit den “1 von 100”, der so gar nicht zu den anderen passt und der wirklich ein wenig aus der Reihe schlägt. Dennoch gilt: Die meisten Rassen bringen ganz bestimmte Veranlagungen mit, die bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten der Tiere hervorheben. So ist beispielsweise der Pudel trotz seines aktuellen Ansehens als Gesellschaftshund ein nicht zu unterschätzender Jäger. Ein Hovawart ist natürlich groß und flauschig, jedoch auch gerne sehr territorial veranlagt. 
Sich einen Hund anzuschaffen sollte mit der Absicht einher gehen, diesem Individuum das bestmögliche Zuhause bieten zu können. Einen Hund wie einen Vizsla als Couch-Potato zu halten ist in etwa so artgerecht, wie einen Veganer bei der Fast-Food-Kette mit dem großen goldenen “M” am Burgergrill arbeiten zu lassen. Sicher ist das an sich möglich und das Individuum bringt zumindest alle körperlichen Merkmale mit, die es benötigt um die jeweilige Aufgabe zu erfüllen – so richtig glücklich wird aber wahrscheinlich keiner von beiden damit. 

Auf der Welt gibt es inzwischen weit über 300 anerkannte Hunderassen und neben diesen selbstverständlich auch noch Mischlinge (die teilweise bereits wie Rassen gezüchtet werden – siehe die “-doodle” Rassen). Unter dieser Vielzahl von verschiedenen vordefinierten Eigenschaften und Fähigkeiten gibt es unter Garantie mehrere Rassen, die dem zukünftigen Hundebesitzer zusagen, als zum Beispiel der Golden Retriever oder der Riesenschnauzer.
Wer sich einen Hund anschaffen möchte, der wird in den meisten Fällen vom Hundetrainer seiner Wahl gut beraten werden, auch wenn es manchmal zu einem Ergebnis kommt, das man selbst nicht hören hätte wollen. Im übrigen muss es auch nicht immer ein Rassehund oder sogar ein Welpe sein. In den deutschen Tierheimen gibt es genügend junge sowie alte Hunde, die sich riesig über ein endgültiges Zuhause und Menschen als Bezugspersonen freuen würden.
Abschließend hier noch ein persönlicher Tipp von mir: Klar, Welpen sind süß. Sie machen aber ehrlich gesagt einen ganzen Haufen an Arbeit (und Haufen) und benötigen viel Zeit. Es gibt sowohl in Tierschutzvereinen als auch in Tierheimen viele Hunde, die zwar der Kindlichkeit eines Welpen bereits entwachsen sind, die aber den Besitzern viel Freude bereiten können und das vielleicht sogar bereits Stubenrein. 🙂

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Roll-Leinen sind sinnvoll – trotzdem sollte sie nicht jeder benutzen! (Teil 2)

Nachdem wir in aller Kürze mögliche Nachteile dieser alltäglichen Erfindung, die jeder Hundehalter kennt, besprochen haben, ist es mir an dieser Stelle auch sehr wichtig auf die klaren Vorteile hinzuweisen, die diese Roll-Leinen haben, denn: trotz der im Teil 1 erwähnten Probleme die beim unsachgemäßen Einsatz dieser Leine entstehen können, sind es tatsächlich genau diese Dinge, die Roll-Leinen für andere Hunde so nützlich machen. Wer aufmerksam gelesen hat, der hat bemerkt, dass es sich bei den Hunden in Teil 1 hauptsächlich um Junge und untrainierte Hunde geht, aber was ist mit den anderen?

Hunde, die Beispielsweise gut im Training sind, eine Leinenführigkeit erlernt haben und vielleicht sogar die eine oder andere Übung im Bereich der Distanzkontrolle beherrschen, können (immer noch mit Vorsicht) durchaus an einer solchen Leine geführt werden. Der Halter kann dem Hund flexibel mehr oder weniger Freiraum geben und muss dabei nicht die Leine selbst in Schlaufen aufwickeln und in der Hand tragen – Denn leider wissen wir nicht, durch welchen Dreck unsere Hunde die Leine gezogen haben (eventuell sogar durch andere Hundehaufen). Wir können unseren Vierbeinern also ermöglichen, länger zu schnüffeln, ein wenig weiter voraus zu gehen oder auch links und rechts des Weges zu schnüffeln. An dieser Stelle noch mein Tipp an alle, die eine lange Leine verwenden und diese auf dem Boden schleifen lassen – am besten Sagrotan-Tücher oder ähnliches im Auto haben und verwenden, bevor man mit den Händen wieder an das Lenkrad fasst.  🙂

Ein weiterer unbestrittener Vorteil stellt sich gerade für ältere Hunde heraus. Wie beim Menschen kann sich auch im hohen alter der Hunde das Hör- und Sehvermögen verschlechtern. Selbst wenn diese Hunde in der Blüte ihres Leben gut trainiert waren, können wir sie nur schwer von der Leine lassen, wenn Sie uns nicht mehr hören können. Dabei geht es nicht einmal unbedingt um den “bedingungslosen Gehorsam” oder darum, dass unsere Hunde uns hören, denn auch bei erwachsenen Hunden kann sich dies beispielsweise bei Gegenwind schwierig darstellen. Hierbei geht es vor allem auch daran, dass wir unsere Hunde vor herannahenden Gefahren schützen können und auch noch Einfluss auf unsere Hunde nehmen können, auch wenn sie uns nicht mehr hören können (Hier ist nicht der Gehorsam der Hunde gemeint). An dieser Stelle kommt die Roll-Leine ins Spiel: Die Hunde spüren zu jeder Zeit aus welcher Richtung die Aufroll-Vorrichtung im Leinengehäuse (wenn auch schwache) Leinenspannung erzeugt. Die Hunde spüren also (entweder am Halsband oder Geschirr) aus welcher Richtung diese Leinenspannung entsteht und in Folge dessen, in welcher Richtung sich ihr Mensch befindet. Dies hilft sowohl schwerhörigen Hunden sich an ihren Menschen zu orientieren, als auch Hunden mit schlechtem Sehvermögen, zurück zu ihren Haltern zu finden. Dies kann gerade bei alten Tieren noch viel Handlungsfähigkeit erhalten und ihnen die Möglichkeit bewahren, mit ihren verbleibenden Sinnen die Umwelt zu erfahren, ohne die Hunde dabei einzuschränken.

Abschließend kann man die Frage, ob Roll-Leinen gut oder schlecht nicht allgemeingültig beantworten. Es ist stark abhängig sowohl von Umweltreizen als auch vom Gemütszustand und Alter des Hundes. Eines sei hier dennoch in aller Deutlichkeit gesagt: Die Begründung zur Verwendung einer Roll-Leine sollte nicht die Faulheit des Menschen sein! Hier können Verhaltensweisen entstehen, die für den Menschen sehr unvorteilhaft sind und die mit Mühe wieder abtrainiert werden müssen. Für Hunde mit Sinneseinschränkungen können diese Leinen aber durchaus ein Segen sein. 

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Betriebsurlaub
Dezember 2023 - Januar 2024

Vom 22. Dezember bis einschließlich 07. Januar 2024 befinden wir uns im Betriebsurlaub

Während dieser Zeit sind wir nur in Notfällen erreichbar. 

Ab dem 08. Januar 2024 sind wir wieder wie gewohnt für euch erreichbar!