Hundewissen

Stimmungsübertragung effektiv im Hundetraining einsetzen

Stimmungsübertragung effektiv im Hundetraining einsetzen

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Viel zu oft stehen wir uns mit unserer Stimmung während des Trainings im Weg. Jedoch sind nicht nur wir selbst durch unsere Emotionen in unserer Handlung eingeschränkt: Auch unsere Hunde werden durch unsere Gefühle beeinflusst. Häufig machen wir unseren Hunden ihr Leben dadurch viel schwerer, als es eigentlich sein muss. Warum sowas passiert und was man dagegen unternehmen kann, erkläre ich euch in diesem Beitrag. 

Was ist “Stimmungsübertragung”?

Hundeschule Fellnase
Um uns im Training nicht von der Stimmung unserer Hunde beeinflussen zu lassen, ist es wichtig, dass wir im Training bei uns selbst bleiben können.

Viele Hundehalter haben den Begriff “Stimmungsübertragung” zwar schon einmal gehört, können diesen aber nicht so richtig einordnen. Stimmungsübertragung ist das, was uns häufig im Weg steht, wenn wir mit unseren Hunden in neuer Umgebung Ruhe Üben möchten. Das Wort selbst sagt es zu einem großen Teil auch schon: Eine Stimmung, also eine Emotion, wird zu einem anderen Individuum übertragen. Man könnte hier auch von einer Art “Empathie” sprechen. Die Stimmungsübertragung funktioniert über mehrere Kommunikationskanäle gleichzeitig: Optik, Haptik, Akustik. 

Es ist die Zusammenfassung des Verhaltens, was wir von einer Person oder einem Haustier beobachten können, wenn sich diese in einer bestimmten Situation befindet. 

Experiment zum selbst ausprobieren:

Aufbau: 

Wir brauchen dafür zwei Personen und im besten Fall eine Puls-Uhr. 

Person 1 bekommt die Puls-Uhr angelegt. 

Durchführung: 

Person 1 setzt sie sich in entspannter Haltung auf einen Stuhl oder eine Couch. 

Person 2 bewegt sich die ganze Zeit über durch die Gegend. Atmet tief ein und laut hörbar über den Mund wieder aus – ein klassisches Seufzen also. Immer wenn Person 2 stehen bleibt, schaut sie sich auf die Armbanduhr, tippt mit den Füßen auf den Boden und zieht die Augenbrauen nach oben. 

Beobachtung: 

Der Puls von Person 2 wird aufgrund der durchgeführten Handlungen über dem Ruhepuls liegen, mit etwas Mühe sogar noch höher. Das ist ja auch kein Wunder, Person 2 ruht auch nicht auf der Couch. 

Die Überraschung fängt an, wenn wir uns die Aufzeichnung der Pulsuhr von Person 1 ansehen: Der Herzschlag von Person 1 wird zwar nicht ganz so schnell sein, wie der von Person 2 – er wird jedoch erkennbar über dem normalen Ruhepuls liegen. Die Handlungen, die Person 2 zeigt, stehen in den meisten Kulturkreisen auf der Welt für Stress. Diese “Stimmung überträgt” sich vollkommen unabsichtlich und unterbewusst auf Person 1.

Ergebnis: Der Stress von Person 2 hat sich auf Person 1 übertragen. 

Dieses Phänomen nennt sich “Stimmungsübertragung”.

Im Verlaufe des Beitrags werde ich auch immer wieder davon sprechen, sich nicht “mit einer Stimmung/Emotion anstecken zu lassen”. Auch das ist Stimmungsübertragung.

Die Frage, die sich hier häufig stellt, ist: Warum der Puls von Person 2 hier nicht einfach sinkt, weil die Stimmung von Person 1 sich auf sie überträgt? 

Tatsächlich wird das bei wenigen Versuchsdurchführung auch so passieren. Nicht nur das: Es kann auch sein, dass die Intensität der Handlungen von Person 2 zusehends geringer wird. Das Übertragen von Stimmungen ist etwas fantastisches – es passiert nämlich zu hundert Prozent unbewusst und ist daher von uns auch nicht bewusst beeinflussbar. Jedenfalls nicht ohne Tricks.

Atemübung:

breathing dog Hundeschule Fellnase
Atemübungen helfen uns dabei, uns von der Stimmung unserer Hunde nicht anstecken zu lassen.

Bist du im Stress oder atmest du schon?

Der einfachste Trick für besseren Selbstschutz im Thema “Stimmungsübertragung” ist bewusstes Atmen. Im Stress wird unsere Atmung flach – manchmal fällt sie sogar vollkommen aus. Einige Hundehalter von leinenreaktiven Hunden sind durch die vergangene Lernerfahrung mit ihren Hunden so stark gestresst, dass sie die Luft in diesen Situationen anhalten. 

Durch bewusstes Atmen können wir direkt Einfluss auf bestimmte Nerven in unserem Körper nehmen (Nervus Vagus) und so gezielt Teile unseres Nervensystems stimulieren (Parasympathikus). 


Probier’s aus und beobachte deine Atmung in verschiedenen Situationen:

  • Atmest du noch ruhig und regelmäßig? 
  • Holst du tief Luft oder sperrst du dich?
  • An welchen Stellen deines Körpers spürst du, wie die Atemluft in deinen Körper strömt? 
  • Wie fühlt sich das an? 
  • Wo bemerkst du zuerst, dass die Luft deine Lungen wieder verlässt?

Stimmungsübertragung im Hundetraining

sleeping dog Hundeschule Fellnase
Die Ruhe unserer schlafenden Hunde ist die schönste Stimmung, mit der wir uns anstecken lassen können.

Stimmungsübertragung ist immer in beide Richtungen möglich: Es kann also auch sein, dass sich unbeabsichtigt die ungewollte von beiden Stimmungen überträgt. Genau deswegen ist es so wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen: Je mehr wir darüber wissen, desto bewusster können wir im Training mit uns und unseren Hunden umgehen und Situationen verhindern, in denen ein unnötiger Austausch von Stress zwischen Hund und Halter passiert. 

Beinahe alle Situationen werden von der Stimmungsübertragung beeinflusst. Hand aufs Herz: Wer war schon einmal genervt von den Lautäußerungen seines Hundes? Natürlich gibt es auch hier eine Reihe weiterer Gründe wie zum Beispiel sozialer Druck, die dazu führen, dass die Laune des Halters sich ins Negative kehrt. 

Diese Begründung ist aber hinfällig, wenn wir beobachten, wie sich viele Hundehalter beim Betreten ihres eigenen Hauses verändert haben, seit der Hund eingezogen ist. Was vorher ein vollkommen gefühlsneutrales Ritual war, bei dem vielleicht noch kurz aufgrund der Anstrengung des Arbeitstages kurz geseufzt wurde ist bei vielen Hundehaltern zu einer emotionalen Achterbahn geworden: 

Der Hund fängt schon zu Winseln an, wenn der Schlüssel aus der Jackentasche gekramt und von außen ins Schlüsselloch der Wohnungstür gesteckt wird. Kaum ist die Tür nur einen Spalt geöffnet, erblickt der Halter die feuchte Nase seines Vierbeiners und erwidert das Vokalisieren durch eine für den Hund unverständliche Verbalsprache. Beide sind aufgeregt. 

Wenn wir uns der Situation bewusst werden, stellen wir fest, dass der Hund durch unser Verhalten in der Situation für sein unruhiges Verhalten noch zusätzlich verstärkt wird. Wir unterstützen den Hund also in seiner Aufregung. Um unnötigen Stress für uns und unsere Hunde zu vermeiden, sollten wir uns hier also nicht von der Stimmung unseres Hundes anstecken lassen.

Woher kommt Stimmungsübertragung?

Stimmungsübertragung erlaubt uns, aufgrund der Erfahrungen anderer unser Fortbestehen zu sichern. Wenn wir also Not leiden, weil wir Hunger haben und nichts zu Essen finden und wir beobachten jemanden, der eine unbekannte Substanz isst und dabei wohlbefinden ausdrückt, so wissen wir, dass diese Substanz für uns wichtig sein kann, ohne selbst über die notwendige Erfahrung zu verfügen.

Wo kann mir Stimmungsübertragung im Training helfen?

Besonders wenn wir mit den Hunden Ruhe üben ist es wichtig, dass wir selbst ebenfalls ruhig bleiben. Unsere Hunde können sich nicht beruhigen, wenn wir aufgeregt, gestresst oder wütend sind. Eine gute Psychohygiene ist daher für jeden Halter wichtig!

Was kann man tun, damit die Stimmungsübertragung besser funktioniert?

Man kann niemanden dazu zwingen, die eigene Stimmung anzunehmen. Jedoch können wir als Menschen unser Training planen und somit auch in einem gewissen Maße Einfluss auf unser Trainingsumfeld nehmen. Wenn wir möchten, dass unser Hund zum Beispiel konzentriert bleibt sollten wir störende Fremdeinflüsse vermeiden.

Welche Stimmungen lassen sich übertagen?

Gute Frage – alles, was sich aufgrund eines Verhaltens beobachten lässt. Im groben lässt sich zwischen Anspannung und Entspannung unterscheiden. Anspannung ist dabei allerdings nicht immer schlecht. Viel von dem, was wir bei unseren Hunden als “Freude” wahrnehmen, äußert sich durch körperliche Aktivität. Auch das kann transportiert werden.

Kann ich mich irgendwie vor ungewollten Emotionen schützen?

Ja!
Als fairantwortungs-bewusster Hundehalter sind wir in der Lage, auf viele Faktoren in unserem Alltag Einfluss zu nehmen. Wir sollten jede Gelegenheit nutzen, uns unser Leben so einfach wie nur möglich zu machen. Es ist die Ansammlung all der Dinge die uns im Alltag stressen, die uns nach dem harten Arbeitstag unser Training vermasselt.
Im Training mit unseren Hunden sollten wir uns immer in dem jeweiligen Zeitpunkt aufhalten und auf das reagieren, was wir zu diesem Punkt im Training antreffen.
Es gibt schlechte Tage – in jedem Bereich unseres Lebens. Das macht das Leben nunmal aus. Was wir daraus machen ist aber das, was zählt.
So können wir mit unserem Hund auch einfach nochmal die Basics üben, wenn er an einem schlechten Tag mal nicht so konzentriert und orientiert mit uns mitarbeitet.

In unserem Blog erfährst du mehr rund um das Thema “Hund”:

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