Roll-Leinen sind sinnvoll – trotzdem sollte sie nicht jeder benutzen! (Teil 1)

Roll-Leinen sind sinnvoll – trotzdem sollte sie nicht jeder benutzen! (Teil 1)

Jeder Hundebesitzer hat sie in seinem Leben schon einmal gesehen oder sogar selbst verwendet: Roll-Leinen (die bekannteste Marke ist die Firma “Flexi”) die wir einfach in unserer Hand tragen können und sich abwickeln, wenn der Hund sich von uns entfernt, sich aber praktischerweise auch wieder aufrollen, wenn sich der Hund uns nähert, oder in den meisten Fällen, wir uns unseren Hunden nähern. Auf den ersten Blick sind diese Leinen auch wirklich total praktisch, jedoch sollte sowohl Hund als auch Halter bereit für dieses Werkzeug sein. Denn: nutzt man diese Leine in einem ungünstigen Trainingszustand des Hundes, so kann hier viel nach hinten losgehen. 

Ein kurzer Ausflug in ein anderes, aber verwandtes Thema – dem Hund, der an der Leine zieht. Leider muss ich allen Haltern, die an diesem Problem leiden mitteilen, dass die Hunde nicht genetisch bedingt oder erblich veranlagt an der Leine ziehen, sondern sie dies im zusammenleben mit dem Menschen erst erlernen. Die Hunde werden dafür nämlich unbewusst bestätigt: Zieht unser Welpe in eine bestimmte Richtung, so gehen wir erstmal hinterher – Manchmal wollen wir ja auch wissen, was unser Schnuffel da gerade aufgespürt hat. In anderen Fällen bleiben wir plötzlich stehen, weil wir gedankenverloren nicht bemerkt haben, dass unsere Hunde gerade zum schnüffeln anhalten. Die Leine gerät auf Spannung und wir bleiben stehen um unseren Hunden das Lesen ihres “Tagesblattes” zu ermöglichen. 
In beiden Szenarien lernt der Hund, dass wir auf ihn und seine Interessen an der Leine Rücksicht nehmen. Er muss sich nicht an uns orientieren sondern kann getrost seines Weges gehen – den Mensch hat er dabei immer im Schlepptau. Bei einem Hund, der keine Leinenführigkeit erlernt hat und der sofort an die Roll-Leine genommen wird, lernt jedoch nicht nur das. 

Wer eine solche Leine zuhause hat, darf folgendes gerne mal mit dieser Leine ausprobieren: Die eine Hand hält die Leine wie gewohnt am Griff fest und die andere Hand nimmt den Karabiner. Nun ziehen sie an dem Ende mit dem Karabiner und konzentrieren sich darauf, ob sie bemerken, dass dafür ein Kraftaufwand, selbst wenn nur ein kleiner, notwendig ist. Genau das ist es, was diese Leinen so ungeeignet für Anfänger macht: Der Hund lernt, dass er mehr Freiraum bekommt, wenn er an der Leine zieht. Gerade junge Hunde sind sehr an ihrer Umgebung interessiert und nutzen jede Möglichkeit diese genau zu Begutachten – Daran haben unsere Welpen  und Junghunde nun mal mehr Interesse, als stets im Schleichtempo des Menschen neben ihm zu laufen. Es ist also bei jungen und untrainierten Hunden genau die Hauptfunktion dieser Leine, die für die Erziehung des Hundes problematisch ist. 

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