Welcher Hund passt zu mir?

Bei der Anschaffung eines Hundes gibt es selbstverständlich viele Fragen, die im voraus zu klären sind: Kann man sich den Hund mit seinen Verpflegungs- & Tierarztkosten leisten? Wo soll der Hund schlafen? Welchen Namen soll der Hund bekommen?
Über eine der größten Fragen, die trotz ihrer Wichtigkeit leider nur selten fertig gedacht wird, werden wir heute ein wenig näher beleuchten: “Welcher Hund passt zu mir?” 

In einem Großteil der Fälle wird sich der Hund zwei Hauptmerkmalen ausgesucht – ihrer Tauglichkeit als Familienhund und aufgrund der Optik des Hundes. Natürlich gibt es jetzt den einen oder anderen Leser da draußen, auf den das kein bisschen zutrifft und das ist auch gut so! Dennoch bitte ich diejenigen, die sich nicht angesprochen fühlen mal nachzudenken, ob es in ihrem Bekanntenkreis nicht doch den einen oder anderen Hundebesitzer gibt, der sich mit absichtlich eine bestimmte Fellfarbe, Felllänge oder Fellzeichnung bei seinem Tier ausgesucht hat. Immerhin gibt es nicht umsonst Fellfarben wie “Blue Merle” bei Hunden.
Andere wichtige Rassemerkmale wie der Jagdtrieb, der Wachtrieb oder die Menge an Auslastung, die ein Hund benötigt, werden leider oft in den Hintergrund gestellt, wenn dafür das Äußere des Tieres den hohen Schönheits-Idealen des Menschen genügt. Oft wird sich in die körperlichen Merkmale einer Rasse verliebt und bei Fragen bezüglich der Auslastung ist dann häufig die Argumentation “das schaffen wir schon” oder “so schlimm wird das schon nicht sein” – auch hoch im Kurs steht “mein Bekannter hat auch Rasse XYZ und der ist ganz entspannt, auch bei wenig Beschäftigung”. 

Natürlich ist Nachbars Schnuffi ein anderer als der, den ich vom Züchter bekomme, auch wenn es die gleiche Rasse ist. Ich bin auch ein ganz anderer Mensch, als meine Cousins und Cousinen, obwohl wir der gleichen Familie angehören.
Die individuellen Unterschiede innerhalb einer bestimmten Rasse können zwar enorm sein, dennoch sind die Rasse-Beurteilungen, die man in vielen Büchern zum Thema Hunderassen lesen kann durchaus gute Erfahrungswerte. Es gibt in jeder Angelegenheit den “1 von 100”, der so gar nicht zu den anderen passt und der wirklich ein wenig aus der Reihe schlägt. Dennoch gilt: Die meisten Rassen bringen ganz bestimmte Veranlagungen mit, die bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten der Tiere hervorheben. So ist beispielsweise der Pudel trotz seines aktuellen Ansehens als Gesellschaftshund ein nicht zu unterschätzender Jäger. Ein Hovawart ist natürlich groß und flauschig, jedoch auch gerne sehr territorial veranlagt. 
Sich einen Hund anzuschaffen sollte mit der Absicht einher gehen, diesem Individuum das bestmögliche Zuhause bieten zu können. Einen Hund wie einen Vizsla als Couch-Potato zu halten ist in etwa so artgerecht, wie einen Veganer bei der Fast-Food-Kette mit dem großen goldenen “M” am Burgergrill arbeiten zu lassen. Sicher ist das an sich möglich und das Individuum bringt zumindest alle körperlichen Merkmale mit, die es benötigt um die jeweilige Aufgabe zu erfüllen – so richtig glücklich wird aber wahrscheinlich keiner von beiden damit. 

Auf der Welt gibt es inzwischen weit über 300 anerkannte Hunderassen und neben diesen selbstverständlich auch noch Mischlinge (die teilweise bereits wie Rassen gezüchtet werden – siehe die “-doodle” Rassen). Unter dieser Vielzahl von verschiedenen vordefinierten Eigenschaften und Fähigkeiten gibt es bestimmt mehrere Rassen, die dem zukünftigen Hundebesitzer zusagen, als zum Beispiel der Golden Retriever oder der Riesenschnauzer.
Wer sich einen Hund anschaffen möchte, der wird in den meisten Fällen vom Hundetrainer seiner Wahl gut beraten werden, auch wenn es manchmal zu einem Ergebnis kommt, das man selbst nicht hören hätte wollen. Im übrigen muss es auch nicht immer ein Rassehund oder sogar ein Welpe sein. In den deutschen Tierheimen gibt es genügend junge sowie alte Hunde, die sich riesig über ein endgültiges Zuhause und Menschen als Bezugspersonen freuen würden.
Abschließend hier noch ein persönlicher Tipp von mir: Klar, Welpen sind süß. Sie machen aber ehrlich gesagt einen ganzen Haufen an Arbeit (und Haufen) und benötigen viel Zeit. Es gibt sowohl in Tierschutzvereinen als auch in Tierheimen viele Hunde, die zwar der Kindlichkeit eines Welpen bereits entwachsen sind, die aber den Besitzern viel Freude bereiten können und das vielleicht sogar bereits Stubenrein. 🙂

Anatomisch komisch – Die “Wolfskralle”

Als Hundehalter ist es für uns wichtig, uns so gut es geht mit den Körpern unserer Tiere vertraut zu machen, denn hier gilt ein wichtiger Leitsatz: Man kann nur sagen, ob ein Körperteil erkrankt aussieht, wenn ich den gesunden Zustand kenne. Nun sind bis auf das Fell und die Größe unsere Hunde meist sehr gleich aufgebaut – zwei Ohren, eine Fellnase, vier Pfoten und eine Rute (selbstverständlich ist hier noch viel mehr dabei). Jedoch gibt es ein Körperteil, das noch nicht jedem Hundehalter begegnet ist: Die “Wolfskralle”. 

Die Afterkralle, so heißt sie nämlich eigentlich, befindet (wo vorhanden) an der Innenseite der Hinterläufe und stellt das Pendant zur großen Zehe des Menschen dar. Im Gegensatz zu den anderen Krallen hat die Afterkralle keinen Bodenkontakt beim Laufen und dient somit nicht der Fortbewegung. Leider ist so ziemlich das Gegenteil der Fall: Beim Herumalbern kann sich diese Kralle leicht verfangen, ein- oder sogar abreißen. Außerdem ist hier darauf zu achten, dass die Kralle(n) regelmäßig gekürzt werden. Da diese keinen Bodenkontakt beim Laufen haben, raspeln sich die Hunde diese nicht selbstständig ab. Um ein Einwachsen dieser Krallen zu verhindern, muss also regelmäßig überprüft werden, ob es nicht Zeit für eine Pediküre ist. Für Hundehalter, deren Hunde mit dieser extra Kralle geboren wurden gilt hier also besondere Vorsicht! 

Entgegen des umgangssprachlichen Namens “Wolfskralle” hat dieses Körperteil nichts mit dem wilden Vorbild unserer Haushunde zu tun. Tatsächlich konnte bislang bei keinem frei lebenden Wolf eine Afterkralle nachgewiesen werden. Bei unseren Hunden sieht das wiederum ganz anders aus. Es gibt sogar Rassen, wie beispielsweise den Briard oder den Beauceron, bei denen dieses zusätzliche Körperteil zum Zuchtbild gehört – Beim Beauceron sogar in doppelter Ausführung! Die Afterkralle kann nämlich sowohl als einzelne Kralle an einer kleinen “großen Zehe” vorkommen, als auch doppelt – das bedeutet also zwei Krallen auf eine “Zehe”.

Da auch das Entfernen dieses Körperteils eine Amputation darstellt, ist dies (sofern keine medizinische Indikation gegeben) in Deutschland nicht erlaubt! Dies hat auch leider schon bei dem einen oder anderen Berner-Sennenhund zu einem Zuchtausschluss geführt, da diese Hunde ebenfalls immer wieder mit einer “Wolfskralle” zur Welt kommen, diese aber nicht dem Zuchtbild entspricht. 

Es ist also nicht so, dass ein Hund mit “Wolfskralle” besonders wild ist und besonderes Futter benötigt oder sich sonst das nächste Wildtier fängt. Besonders ist allerdings die Aufmerksamkeit, die der Halter diesem Körperteil schenken sollte, da hier gesundheitliche Probleme entstehen können, wenn die Kralle zu lang wird und einwächst oder beim tollen durch den Wald verletzt wird.

Roll-Leinen sind sinnvoll – trotzdem sollte sie nicht jeder benutzen! (Teil 2)

Nachdem wir in aller Kürze mögliche Nachteile dieser alltäglichen Erfindung, die jeder Hundehalter kennt, besprochen haben, ist es mir an dieser Stelle auch sehr wichtig auf die klaren Vorteile hinzuweisen, die diese Roll-Leinen haben, denn: trotz der im Teil 1 erwähnten Probleme die beim unsachgemäßen Einsatz dieser Leine entstehen können, sind es tatsächlich genau diese Dinge, die Roll-Leinen für andere Hunde so nützlich machen. Wer aufmerksam gelesen hat, der hat bemerkt, dass es sich bei den Hunden in Teil 1 hauptsächlich um Junge und untrainierte Hunde geht, aber was ist mit den anderen?

Hunde, die Beispielsweise gut im Training sind, eine Leinenführigkeit erlernt haben und vielleicht sogar die eine oder andere Übung im Bereich der Distanzkontrolle beherrschen, können (immer noch mit Vorsicht) durchaus an einer solchen Leine geführt werden. Der Halter kann dem Hund flexibel mehr oder weniger Freiraum geben und muss dabei nicht die Leine selbst in Schlaufen aufwickeln und in der Hand tragen – Denn leider wissen wir nicht, durch welchen Dreck unsere Hunde die Leine gezogen haben (eventuell sogar durch andere Hundehaufen). Wir können unseren Vierbeinern also ermöglichen, länger zu schnüffeln, ein wenig weiter voraus zu gehen oder auch links und rechts des Weges zu schnüffeln. An dieser Stelle noch mein Tipp an alle, die eine lange Leine verwenden und diese auf dem Boden schleifen lassen – am besten Sagrotan-Tücher oder ähnliches im Auto haben und verwenden, bevor man mit den Händen wieder an das Lenkrad fasst.  🙂

Ein weiterer unbestrittener Vorteil stellt sich gerade für ältere Hunde heraus. Wie beim Menschen kann sich auch im hohen alter der Hunde das Hör- und Sehvermögen verschlechtern. Selbst wenn diese Hunde in der Blüte ihres Leben gut trainiert waren, können wir sie nur schwer von der Leine lassen, wenn Sie uns nicht mehr hören können. Dabei geht es nicht einmal unbedingt um den “bedingungslosen Gehorsam” oder darum, dass unsere Hunde uns hören, denn auch bei erwachsenen Hunden kann sich dies beispielsweise bei Gegenwind schwierig darstellen. Hierbei geht es vor allem auch daran, dass wir unsere Hunde vor herannahenden Gefahren schützen können und auch noch Einfluss auf unsere Hunde nehmen können, auch wenn sie uns nicht mehr hören können (Hier ist nicht der Gehorsam der Hunde gemeint). An dieser Stelle kommt die Roll-Leine ins Spiel: Die Hunde spüren zu jeder Zeit aus welcher Richtung die Aufroll-Vorrichtung im Leinengehäuse (wenn auch schwache) Leinenspannung erzeugt. Die Hunde spüren also (entweder am Halsband oder Geschirr) aus welcher Richtung diese Leinenspannung entsteht und in Folge dessen, in welcher Richtung sich ihr Mensch befindet. Dies hilft sowohl schwerhörigen Hunden sich an ihren Menschen zu orientieren, als auch Hunden mit schlechtem Sehvermögen, zurück zu ihren Haltern zu finden. Dies kann gerade bei alten Tieren noch viel Handlungsfähigkeit erhalten und ihnen die Möglichkeit bewahren, mit ihren verbleibenden Sinnen die Umwelt zu erfahren, ohne die Hunde dabei einzuschränken.

Abschließend kann man die Frage, ob Roll-Leinen gut oder schlecht nicht allgemeingültig beantworten. Es ist stark abhängig sowohl von Umweltreizen als auch vom Gemütszustand und Alter des Hundes. Eines sei hier dennoch in aller Deutlichkeit gesagt: Die Begründung zur Verwendung einer Roll-Leine sollte nicht die Faulheit des Menschen sein! Hier können Verhaltensweisen entstehen, die für den Menschen sehr unvorteilhaft sind und die mit Mühe wieder abtrainiert werden müssen. Für Hunde mit Sinneseinschränkungen können diese Leinen aber durchaus ein Segen sein. 

Roll-Leinen sind sinnvoll – trotzdem sollte sie nicht jeder benutzen! (Teil 1)

Jeder Hundebesitzer hat sie in seinem Leben schon einmal gesehen oder sogar selbst verwendet: Roll-Leinen (die bekannteste Marke ist die Firma “Flexi”) die wir einfach in unserer Hand tragen können und sich abwickeln, wenn der Hund sich von uns entfernt, sich aber praktischerweise auch wieder aufrollen, wenn sich der Hund uns nähert, oder in den meisten Fällen, wir uns unseren Hunden nähern. Auf den ersten Blick sind diese Leinen auch wirklich total praktisch, jedoch sollte sowohl Hund als auch Halter bereit für dieses Werkzeug sein. Denn: nutzt man diese Leine in einem ungünstigen Trainingszustand des Hundes, so kann hier viel nach hinten losgehen. 

Ein kurzer Ausflug in ein anderes, aber verwandtes Thema – dem Hund, der an der Leine zieht. Leider muss ich allen Haltern, die an diesem Problem leiden mitteilen, dass die Hunde nicht genetisch bedingt oder erblich veranlagt an der Leine ziehen, sondern sie dies im zusammenleben mit dem Menschen erst erlernen. Die Hunde werden dafür nämlich unbewusst bestätigt: Zieht unser Welpe in eine bestimmte Richtung, so gehen wir erstmal hinterher – Manchmal wollen wir ja auch wissen, was unser Schnuffel da gerade aufgespürt hat. In anderen Fällen bleiben wir plötzlich stehen, weil wir gedankenverloren nicht bemerkt haben, dass unsere Hunde gerade zum schnüffeln anhalten. Die Leine gerät auf Spannung und wir bleiben stehen um unseren Hunden das Lesen ihres “Tagesblattes” zu ermöglichen. 
In beiden Szenarien lernt der Hund, dass wir auf ihn und seine Interessen an der Leine Rücksicht nehmen. Er muss sich nicht an uns orientieren sondern kann getrost seines Weges gehen – den Mensch hat er dabei immer im Schlepptau. Bei einem Hund, der keine Leinenführigkeit erlernt hat und der sofort an die Roll-Leine genommen wird, lernt jedoch nicht nur das. 

Wer eine solche Leine zuhause hat, darf folgendes gerne mal mit dieser Leine ausprobieren: Die eine Hand hält die Leine wie gewohnt am Griff fest und die andere Hand nimmt den Karabiner. Nun ziehen sie an dem Ende mit dem Karabiner und konzentrieren sich darauf, ob sie bemerken, dass dafür ein Kraftaufwand, selbst wenn nur ein kleiner, notwendig ist. Genau das ist es, was diese Leinen so ungeeignet für Anfänger macht: Der Hund lernt, dass er mehr Freiraum bekommt, wenn er an der Leine zieht. Gerade junge Hunde sind sehr an ihrer Umgebung interessiert und nutzen jede Möglichkeit diese genau zu Begutachten – Daran haben unsere Welpen  und Junghunde nun mal mehr Interesse, als stets im Schleichtempo des Menschen neben ihm zu laufen. Es ist also bei jungen und untrainierten Hunden genau die Hauptfunktion dieser Leine, die für die Erziehung des Hundes problematisch ist. 

Was haben Hasen und Bälle gemeinsam?

Diese Frage klingt zunächst so, als hätte ein durstiger Bargast sie einem anderen genauso durstigen Bargast gestellt und sich bereits freudig auf die Pointe vorbereitet. So fernab von Gut und Böse ist diese Frage für jedoch nicht – vor Allem nicht, für unsere Hunde.  Häufiger haben mir Hundebesitzer schon die Problembeschreibung gegeben, dass ihr Hund beim Gassi gehen stets an der Leine laufen muss, weil der Vierbeiner sonst allen Wildtieren die ihm so begegnen, sofort auf der Spur ist und sich in den meisten Fällen nicht mehr abrufen lässt. In einem großen Anteil der Fälle spielt der Mensch jedoch dabei keine unwesentliche Rolle. Er ist nicht nur dabei und versucht verzweifelt seinen Fiffi zurückzurufen, sondern er hat leider oftmals dazu beigetragen, dass Fiffi überhaupt so ein begnadeter Jäger ist. 

Der Jagdtrieb ist etwas, dass den Hunden von Geburt an mitgegeben wird. Es gibt durchaus Hunderassen, bei denen von diesem dem Verhalten, welches den Wölfen das Überleben sicherte, nur noch wenig übrig geblieben ist – dazu zählen vor allem die Herdenschutzhund-Rassen und ein paar Vertreter der “Gesellschaftsrassen” wie dem Havaneser und dem Mops. Allerdings kann man auch einzelne Exemplare dieser Rassen mit einem einfachen Trick zu ambitionierten Jägern erziehen – dem Ballspiel.

Per se sorgt das Werfen eines Balles nicht dazu, dass der Hund auf magische Art und Weise die Feinheiten des Jagens versteht und zu einem absolut unberechenbaren Raubtier wird – dennoch fördert die spielerische Jagd nach dem Ball das Vergnügen an diesem Verhalten, als dass es dies mindere. Es ist ähnlich wie bei Menschen – wenn jemand kein Instrument spielen kann, aber durch genug Versuche DAS INSTRUMENT gefunden hat, was ihm besonders viel Spaß macht, dann wird er sich auch dahinter klemmen um es zu lernen, wird beim Lernen Freude daran haben und immer besser werden. Irgendwann ist es nicht mehr notwendig, nach Noten oder “Play-Along”-Videos zu spielen, sondern der Mensch wird sich mit der Zeit einige Stücke merken können. Er hat die Fähigkeit erlangt, ein Musikinstrument zu spielen – etwas, dass er nicht automatisch konnte, sondern etwas, dass er erlernt hat weil er Spaß dabei hatte (hier alle Kinder und Erwachsenen ausgenommen, die man als Kind dazu genötigt hat, Blockflöte spielen zu lernen). 
Hat der Mensch dann sogar noch eine angeborene Begabung für Musik, so wird der Vorgang noch schneller gehen und das gelernte noch tiefer sitzen – im Umkehrschluss dazu, wird der Mensch diese Fähigkeit auch umso länger nicht mehr vergessen. 

Dieses Prinzip lässt sich, zwar nicht exakt, allerdings in ausreichendem Maße, auf den Hund übertragen. Wenn ein Hund keine, oder wenig Motivation hat um zu jagen  und der Mensch führt das “unkontrollierte Ballspiel” ein, werden genau die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Hundes geschult, die er für diesen Zweck braucht. Unglücklicherweise fungiert hier der Ball auch als eine Art Beuteobjekt. Der Hund jagt dem Ball hinterher und ergreift es. Um dies zu schaffen lernt er, sich bewegende Objekte schneller zu erkennen, deren Bewegungsrichtung einzuschätzen und abzuwägen, wohin sich das Tier also Bewegen wird. Der Hund wird lernen während des Laufens Haken zu schlagen und sich voll und ganz auf die Beute zu konzentrieren und das solange, bis er den Hasen erwischt und zwischen seinen Fängen hat. Oh entschuldigung, ich meinte natürlich den Ball. 

Betrachten wir tatsächlich die Vorgänge, die das klassische “Ich werfe den Ball und du rennst hinterher”-Spiel ausmachen, so sind wir tatsächlich näher an einer waschechten Jagd, als wir beim Lesen der Überschrift noch gedacht hätten. Natürlich gibt es Variationen von Ball-Spielen, die “harmlos” sind und nicht dazu führen, dass wir unsere Tiere “verjagdlichen”, des weiteren werden verschiedene Hunde auf verschieden Arten und Weisen auf das Spiel reagieren – dennoch sei deutlich gesagt: 
Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Hunde durch das “unkontrollierte Ball-Spiel” eine größere Lust an der Jagd entwickelt, als zuvor. 

In Zusammenarbeit mit einem guten Hundetrainer können solche spiele jedoch auch genutzt werden, um den Jagdtrieb unserer Haustiere zu kontrollieren und in Bahnen zu lenken, die für uns tolerierbar sind. In vielen Fällen kann sich hier auch eine erstklassige Freizeitgestaltung für Mensch und Hund entwickeln, wenn die Jagd zusammen vollzogen wird. Denn sind wir doch mal ehrlich: Wenn unsere Hunde Spaß haben, dann machen wir doch umso lieber mit, als wenn unsere Hunde den Sinn hinter der Handlung nicht versteht. In verschiedenen Ansätzen des Anti-Jagdtrainings spielen solche Spiele sogar eine zentrale Rolle. Diese jedoch jederzeit abbrechen zu können ist die Hauptrolle.

Welpenkunde – Die sozial sensible Phase

Unsere Vierbeiner durchlaufen in ihrem Leben verschiedene Entwicklungsphasen, in denen der Hund einerseits neue Erfahrungen sammeln kann, die ihn für sein weiteres Leben prägen oder sich andererseits auch die Körper unserer Tiere für den Rest ihres Lebens verändern können. 

Die erste dieser Entwicklungsphasen, die auch für uns Hundehalter eine entscheidende Rolle im zusammenleben mit unseren Tieren spielt, ist die sozial sensible Phase, die ihren Namen von der deutschen Verhaltensforscherin Dr. Dorit Feddersen-Petersen bekommen hat. Diese Phase findet zwischen der dritten und höchstens 20. Woche statt und gibt in diesem Zeitraum dem Hund die Gelegenheit, sowohl seine belebte Umwelt, als auch die unbelebte Umwelt kennenzulernen. 

Die unbelebte Umwelt umfasst alles nicht-lebende, dass sich im Umfeld des Welpen befindet, also zunächst auf jeden Fall sein alltägliches Umfeld. Unsere Hunde haben nicht die angeborene Fähigkeit, sich in der Welt der Menschen zurechtzufinden. Es ist unsere Aufgabe als Hundehalter, unseren Tieren die Welt in der Sie leben vorzustellen und dafür zu sorgen, dass sie ohne Angst in dieser Leben können. Selbstredend umfasst dies vorallem alle Gegenstände, die tagtäglich eine Rolle für den Hund spielen, damit also auch Fellpflege-Produkte. Es ist nicht selbstverständlich, dass unsere Tiere sich von uns mit diesem fremdartigen Gegenstand berühren lassen. Da bei den meisten Rassen eine Fellpflege zwingend notwendig ist, sollten die Tiere hier schnellstmöglich daran gewöhnt werden. Zwar sind Welpen per se sehr unbedarft, was neue Reize angeht und können durch häufige Verwendung mit der Bürste vertraut werden, allerdings schadet es auch nicht, wenn man hier anfangs mit Leckerchen arbeitet, um die Bürste nicht nur akzeptabel ist, sondern für den Welpen sogar etwas angenehmes und erstrebenswertes darstellt 🙂

Die belebte Umwelt umfasst alles, was für den Hund in seiner Lebenszeit als Sozialpartner in Frage kommt. Dies bedeutet auf jeden Fall, dass der Hund Menschen verschiedenen Alters, auf Fahrrädern, Motorrädern und in anderen Lebenslagen kennenlernen soll. Gerade Kinder und ältere Mitbürger stellen für unsere Tiere erstmal eine Hürde dar: 

Kinder bewegen sich schnell und unkontrolliert und können dabei auch noch sehr laut sein. Unsere Hunde müssen erst lernen, das es sich hierbei um kein Bedrohliches Verhalten handelt, sondern dass es bei den kleinen Menschen dazu gehört, wenn sie sich so verhalten. 

Ähnliches gilt tatsächlich auch für unsere älteren Mitbürger: Die Bewegung ist deutlich eingeschränkt und wirkt meistens sehr steif, Sie könnten Husten oder sich Räuspern, stolpern leichter als ein Mensch mittleren alters und benötigen eventuell sogar Hilfsmittel für ihr tägliches Leben, wie zum Beispiel Gehhilfen, Krückstöcke oder anderes. 

Hunde sind zwar vom Menschen domestiziert worden und leben inzwischen seit einigen Jahrhunderten beim Menschen, jedoch entwickelt sich unsere Welt rasend schnell weiter. Es ist und bleibt unsere Aufgabe als Hundebesitzer, unsere Tiere auf das Leben in unserer rasanten Welt beizubringen und sie zu begleiten und zu leiten. Es ist eines der ersten Dinge, die wir als Hundebesitzer aufgetragen bekommen und gleichzeitig mitunter eine unserer wichtigsten Pflichten. Schließlich erstreben wir alle ein harmonisches und entspanntes Zusammenleben mit unseren Haustieren.

Ein Kapitel geht zu Ende

Zuerst sei gesagt: Das Schreiben dieses Blog-Beitrags fällt mir bei weitem nicht leicht. Im Gegenteil – Ich schreibe diesen Beitrag mit einem weinenden und einem lachenden Auge. 

Am vergangenen Wochenende, dem 08. & 09. Februar 2020 fand das letzte Seminar meines Ausbildungsganges zum “Hundetrainer Plus” von Ziemer & Falke in Tulling (bei München) statt. Wie alle anderen zuvor war natürlich auch das letzte Seminar sehr lehr- und aufschlussreich, obwohl ich jetzt seit 10 Jahren schon als ehrenamtlicher Übungsleiter in einer Hundeschule tätig bin, hat mich in den Seminaren stets etwas neues erwartet. 

Ich glaube, dass dies eines der wichtigsten Dinge ist, die ich über mich selbst während der Ausbildung gelernt habe: Jeden Tag, an dem man wieder seine Augen öffnet und auf dieser Welt schreitet, kann man etwas neues lernen. 

Zu Beginn der Ausbildung war es mein Ziel, mein Vorwissen aus meiner Vereinstätigkeit zu überprüfen und zu vertiefen. Ich hatte große Angst davor, mir eingestehen zu müssen, dass das eine oder andere zuvor Erlernte inzwischen überholt oder sogar falsch sei. Ich kann mich außerdem noch sehr gut daran erinnern, wie unsicher ich bei meinem ersten Seminar war – zum Einen war ich zu diesem Zeitpunkt emotional sehr instabil und zum Anderen machte ich mir Sorgen, für Fehler oder Wissenslücken von anderen Teilnehmern angeprangert zu werden. Die kalte Februarluft hat mir damals bei meiner Aufregung selbstverständlich auch nicht besonders geholfen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde im Seminarraum wurden wir durch unseren Dozenten Andreas “Andi” Weißmann bereits an erste praktische Erfahrungen herangeführt. Ich war im Zwiespalt, ob ich mich vor einer Erkältung schützen wollte und mir eine Mütze aufsetzen sollte, oder ob ich meiner Wissbegierde nachgeben sollte und meine Ohren aufhalte um dem Dozenten zu lauschen. Letztlich wurde es dann eher eine Mischform – ich habe trotz der herben Winde viel zuhören können und mich nur leicht erkältet. Meine anfänglichen Bedenken wurden schnell von Andis herzlicher Art und Weise außer Kraft gesetzt und ich konnte mich schnell von dieser Versagensangst lossagen. 

Trotz des beinahe lebensfeindlichen Wetters schafften wir es als Gruppe miteinander warm zu werden. Wir lernten uns kennen – nicht nur namentlich sondern auch persönlich. Wir erfuhren über die Motivationen jedes einzelnen, welche sie dazu gebracht haben, die Ausbildung anzutreten – selbstverständlich war der gemeinsame Nenner stets der Hund, egal ob es nun der eigene oder ein Pflegehund war. Wir tauschten uns darüber aus was, welche Beweggründe wir für die Haltung eines (oder mehrerer) Hundes hatten, welche Hunde in der Vergangenheit bereits ein Teil unseres Lebens wurden und was wir dadurch schon gelernt hatten. In diesem ersten Seminar wuchsen wir schon eng zusammen und uns allen war eines schnell klar: Uns verband eine einmalige Chemie. 

Jeden Monat (bis auf die Sommerferien) trafen wir uns nun also für ein Wochenende in Andis Seminarraum und lernten gemeinsam, stellten unsere Fragen (wobei der eine oder andere vielleicht ein oder zwei Fragen mehr stellte :D) diskutierten über die Ausbildungsinhalte und wuchsen gemeinsam zu den Hundetrainern von morgen. Aus den Motivationen, die wir zu Beginn der Ausbildung für das Hundetraining mitbrachten wurden langsam Konzepte für unsere Hundeschulen und jeder einzelne von uns kam dem Abbild eines Hundetrainers immer näher – und dennoch jeder auf seine eigene Art und Weise. Wo die einen mit der Motivation begonnen hatten, mehr über ihren eigenen Hund zu lernen um ihn besser zu verstehen und im Laufe der Ausbildung ihr Interesse an Problematiken wie “alleine bleiben” oder einer sinnvollen Auslastung für die Tiere gefunden hatten, so haben wiederum andere beschlossen, den Zukunftstraum in Teamarbeit anzugehen und mit Tierfotografie zu verbinden. 

Gerne gebe ich zu, dass mich der Abschied von diesen Menschen durchaus die eine oder andere Träne gekostet hat. Meine Dankbarkeit und Wertschätzung für die Zeit, die ich mit diesen Menschen verbringen durfte werde ich wohl nie in Worte fassen können. Auf uns alle wartet nun eine spannende Zukunft an der jeder einzelne von uns nur weiter lernen kann. 

Ich bin unheimlich gespannt darauf, was alle zu berichten haben, wenn wir uns wiedersehen. 

Vielen Dank für die gemeinsame Zeit!

Ein wunderbares Jahr 2019

Hallo meine lieben Zwei- und Vierbeiner!

Ein fantastisches Jahr geht in den Endspurt und ich möchte euch allen dafür danken, dass ihr dazu beigetragen habt, dass es zu so einem tollen Jahr wurde.

Ich kann auf viele schöne Erlebnisse mit euch zurückschauen und freue mich über die vielen großen und kleinen Erfolge, die es über das Jahr hinweg gab. Im März diesen Jahres habe ich noch sehr schüchtern und unsicher über das, was mich wohl erwartet, die Ausbildung bei Ziemer & Falke zum „Hundetrainer Plus“ begonnen. Dadurch lernte ich viele interessante Leute wie Jörg Ziemer aus Grossenkneten kennen, der zusammen mit seiner Frau Kristina Ziemer-Falke den Kopf einer wunderbar familiären Organisation bildet, die mit Herz und Seele die Hundetrainer von Morgen ausbilden.

Außerdem durfte ich meinen Dozenten Andreas Weißmann in Tulling kennenlernen, der mich und die anderen Ausbildungskollegen mit offenen Armen und offenem Herzen in seinen Seminarräumen begrüßt hat und uns immer wieder aufs Neue alle unsere Fragen, teilweise auch zum wiederholten Male, beantwortet. Sein Seminarraum hat mit großer Sicherheit den besten Blick auf die Alpen, den man sich nur vorstellen kann!

Letztendlich hat mich die Ausbildung bei Ziemer & Falke auch ermutigt, bereits mit Beispielkunden und ihren Hunden zu trainieren. Das in über 10 Jahren durch meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Hundeschule Amberg-Sulzbach angesammelte Wissen, sowie die Details und das vielseitige Hintergrundwissen, das ich in meiner Ausbildung sammeln konnte, in der Praxis mit den Menschen anzuwenden gibt mir ein unbeschreibbar gutes Gefühl. Gerade das ist der Grund, warum ich mich auch so auf das kommende Jahr und meine Abschlussprüfung bei Ziemer & Falke freue.

Mir hat das Jahr 2019 viel Kraft und Energie gegeben und gezeigt, was alles möglich ist, wenn man seine Wünsche und Träume mit Gewissenhaftigkeit, Willen und vorallem (und am wichtigsten) mit Liebe verfolgt!

Mit viel Spannung erwarte ich aufgeregt alles, was das neue Jahr euch und auch mir bringt. Ich selbst freue mich zum Beispiel schon sehr auf meine Weiterbildung zum Hundeverhaltenstrainer N.A.B. in der Ziemer & Falke Zentrale in Grossenkneten.

Ich wünsche euch eine wunderschöne Zeit mit euren Freunden und Familien und freue mich sehr darauf, euch in 2020 wieder zu sehen!

Viele Grüße,

Philipp Stockerl.

Seminar bei bestem Wetter 😁

Vergangenes Wochenende hat wieder eines der Seminare für die Ausbildung „Hundetrainer Plus“ von Ziemer & Falke in Steinhöring bei München stattgefunden. Dieses mal war als Dozent wieder Jörg Ziemer bei uns und hat einiges an Fragen beantwortet, die seit dem letzten Seminar über Ethologie entstanden sind. Selbstverständlich waren hier auch Fragen dabei, die aus den ersten Versuchen der angehenden Hundetrainer mit „Kunden“ entstanden sind.


Mein persönliches Highlight des Seminars war ein „Beispielkunde“, welcher nach eigener Aussage eine Anfahrt von ca. 350 km auf sich genommen hat, um sich Rat für Ihr/e Problem/e einzuholen. In diesem Zusammenhang habe ich auch eine erste Bekanntschaft mit dem Anamnesebogen von Ziemer&Falke gemacht. In diesem Dokument hat der Halter des Hundes vorher die Möglichkeit, einige wichtige Informationen über den Hund auszufüllen.
Ich konnte sehr gut alle Fragen wiedererkennen, die ich normalerweise neuen Kursteilnehmern meines Vereins (www.hundeschule-as.de) mühsam einzeln abfragen müsste. Durch diesen Fragebogen bekommt man als Hundetrainer also ein erstes Bild vom betreffenden Hund, noch bevor man diesen zum ersten Mal gesehen hat. Aufgrund der Erfahrung, die jeder Hundetrainer mit sich bringt, sammelt man automatisch bereits im Kopf die ersten Trainingsmöglichkeiten, die für den Kunden infrage kommen würden.

Natürlich gab es noch viele weitere Themen, allerdings will ich ja nicht aus dem Nähkästchen plaudern 😉.
Ich freue mich immer noch wie am ersten Tag darüber, die Ausbildung bei Ziemer & Falke begonnen zu haben. Unglaublich viel, was hier in Seminaren und Skripten vermittelt wird, passt zu dem Wissen, dass ich mir in den letzten neun Jahren als ehrenamtlicher Hundetrainer angeeignet habe.

Ich bin bereits sehr gespannt, was ich noch alles lernen werde! 😇