Schlafender Hund mit Ameise Hundeschule Fellnase

Über die Wieder-Eröffnung der Hundeschulen

In der Sendung „jetzt red‘ i“ des Bayerischen Rundfunk vom 24.02.2021 stellt eine Zuschauerin die Frage, warum Hundeschulen den Betrieb im Freien nicht wiederaufnehmen dürfen. Diese Frage „bewegt“ Herrn Doktor Markus Söder nach eigener Aussage so sehr, dass ihm viele Antworten einfallen – leider ist dabei weder eine direkte, noch eine wie von der Zuschauerin gewünscht „nachvollziehbare“ Antwort auf die gestellte Frage enthalten.

CoronaHundeschulenFlyer Hundeschule Fellnase

#WirBrauchenOffeneHundeschulen

Aufgrund der großen Nachfrage in letzter Zeit habe ich mich dazu entschlossen, ein kurzes Statement zu der aktuellen Situation bezüglich der andauernden Schließung der Hundeschulen in Bayern (und vielen anderen Bundesländern) zu veröffentlichen.

Wer mich nicht kennt, dem möchte ich kurz sagen, dass ich durchaus viel Verständnis für die angespannte pandemische Situation habe, in der wir uns befinden. Ich selbst nehme den Infektionsschutz sehr ernst und halte mich mit gutem Gewissen stets an die Kontaktbeschränkungen.

Auf keinen Fall möchte ich auch in irgendeiner Weise die Wichtigkeit der körperlichen Gesundheit unserer aller Mitbürger schmälern – dennoch gibt es neben der Argumentation für das Tierwohl der Haushunde auch den Aspekt der psychischen Gesundheit, die durch das Fehlen von Normalität beeinträchtigt wird.

Mehrere Studien haben bereits ergeben, dass besonders das Seelenwohl von Kindern und Jugendlichen an den weiter herrschenden Kontaktbeschränkungen in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch wenn wir mit unseren Hunden weiterhin die „Freiheit“ des Spaziergehens als ein Stück „Normalität“ wahren können, ist das ausbleiben von Sozialkontakten (genau wie beim Menschen) besonders für die Welpen und Junghunde unmittelbar mit Problemen verbunden.

Zum einen können wir als Hundetrainer den Hundehaltern nicht mehr die Möglichkeit bieten, die Welpen angemessen zu Sozialisieren und somit auf das Leben sowohl mit Artgenossen als auch dem Mensch (in seinen vielen unterschiedlichen Altersgruppen) als Sozialpartner vorzubereiten und den Haltern in diesen Fragen mit Rat zur Seite zu stehen.

Es kommt noch erschwerend hinzu, dass es eine Vielzahl von Hunden und deren Haltern gibt, die vor deutlich schwierigeren Problemen stehen. Viele Verhaltenstrainings können nicht fortgesetzt werden, was für die meisten Problemverhalten nicht nur bedeutet, dass keine Verbesserung eintritt, sondern dass sich das negative Verhalten der Hunde weiter festigen kann. Obwohl wir Hundetrainern den Menschen mit ihren Hunden aus Leidenschaft gerne zur Seite stehen, sind uns aktuell die Hände gebunden.

Die Öffnung von Friseuren ist sicherlich für viele Mitbürger ein Segen und auch ich selbst freue mich durch einen Friseurbesuch wieder ein Stück des „normalen Lebens“ zurück zu erhalten – aber vor allem hoffe ich, dass dies das erste Zeichen der Einsicht ist. Ich schöpfe daraus die Hoffnung, dass bald nicht nur Friseure und Fahrlehrer, sondern hoffentlich bald auch der Einzelhandel und wir Hundetrainer als Dienstleister unsere Arbeit wieder aufnehmen können.

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Anatomisch komisch – Die “Wolfskralle”

Als Hundehalter ist es für uns wichtig, uns so gut es geht mit den Körpern unserer Tiere vertraut zu machen, denn hier gilt ein wichtiger Leitsatz: Man kann nur sagen, ob ein Körperteil erkrankt aussieht, wenn ich den gesunden Zustand kenne. Nun sind bis auf das Fell und die Größe unsere Hunde meist sehr gleich aufgebaut – zwei Ohren, eine Fellnase, vier Pfoten und eine Rute (selbstverständlich ist hier noch viel mehr dabei). Jedoch gibt es ein Körperteil, das noch nicht jedem Hundehalter begegnet ist: Die “Wolfskralle”. 

Die Afterkralle, so heißt sie nämlich eigentlich, befindet (wo vorhanden) an der Innenseite der Hinterläufe und stellt das Pendant zur großen Zehe des Menschen dar. Im Gegensatz zu den anderen Krallen hat die Afterkralle keinen Bodenkontakt beim Laufen und dient somit nicht der Fortbewegung. Leider ist so ziemlich das Gegenteil der Fall: Beim Herumalbern kann sich diese Kralle leicht verfangen, ein- oder sogar abreißen. Außerdem ist hier darauf zu achten, dass die Kralle(n) regelmäßig gekürzt werden. Da diese keinen Bodenkontakt beim Laufen haben, raspeln sich die Hunde diese nicht selbstständig ab. Um ein Einwachsen dieser Krallen zu verhindern, muss also regelmäßig überprüft werden, ob es nicht Zeit für eine Pediküre ist. Für Hundehalter, deren Hunde mit dieser extra Kralle geboren wurden gilt hier also besondere Vorsicht! 

Entgegen des umgangssprachlichen Namens “Wolfskralle” hat dieses Körperteil nichts mit dem wilden Vorbild unserer Haushunde zu tun. Tatsächlich konnte bislang bei keinem frei lebenden Wolf eine Afterkralle nachgewiesen werden. Bei unseren Hunden sieht das wiederum ganz anders aus. Es gibt sogar Rassen, wie beispielsweise den Briard oder den Beauceron, bei denen dieses zusätzliche Körperteil zum Zuchtbild gehört – Beim Beauceron sogar in doppelter Ausführung! Die Afterkralle kann nämlich sowohl als einzelne Kralle an einer kleinen “großen Zehe” vorkommen, als auch doppelt – das bedeutet also zwei Krallen auf eine “Zehe”.

Da auch das Entfernen dieses Körperteils eine Amputation darstellt, ist dies (sofern keine medizinische Indikation gegeben) in Deutschland nicht erlaubt! Dies hat auch leider schon bei dem einen oder anderen Berner-Sennenhund zu einem Zuchtausschluss geführt, da diese Hunde ebenfalls immer wieder mit einer “Wolfskralle” zur Welt kommen, diese aber nicht dem Zuchtbild entspricht. 

Es ist also nicht so, dass ein Hund mit “Wolfskralle” besonders wild ist und besonderes Futter benötigt oder sich sonst das nächste Wildtier fängt. Besonders ist allerdings die Aufmerksamkeit, die der Halter diesem Körperteil schenken sollte, da hier gesundheitliche Probleme entstehen können, wenn die Kralle zu lang wird und einwächst oder beim tollen durch den Wald verletzt wird.

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Roll-Leinen sind sinnvoll – trotzdem sollte sie nicht jeder benutzen! (Teil 2)

Nachdem wir in aller Kürze mögliche Nachteile dieser alltäglichen Erfindung, die jeder Hundehalter kennt, besprochen haben, ist es mir an dieser Stelle auch sehr wichtig auf die klaren Vorteile hinzuweisen, die diese Roll-Leinen haben, denn: trotz der im Teil 1 erwähnten Probleme die beim unsachgemäßen Einsatz dieser Leine entstehen können, sind es tatsächlich genau diese Dinge, die Roll-Leinen für andere Hunde so nützlich machen. Wer aufmerksam gelesen hat, der hat bemerkt, dass es sich bei den Hunden in Teil 1 hauptsächlich um Junge und untrainierte Hunde geht, aber was ist mit den anderen?

Hunde, die Beispielsweise gut im Training sind, eine Leinenführigkeit erlernt haben und vielleicht sogar die eine oder andere Übung im Bereich der Distanzkontrolle beherrschen, können (immer noch mit Vorsicht) durchaus an einer solchen Leine geführt werden. Der Halter kann dem Hund flexibel mehr oder weniger Freiraum geben und muss dabei nicht die Leine selbst in Schlaufen aufwickeln und in der Hand tragen – Denn leider wissen wir nicht, durch welchen Dreck unsere Hunde die Leine gezogen haben (eventuell sogar durch andere Hundehaufen). Wir können unseren Vierbeinern also ermöglichen, länger zu schnüffeln, ein wenig weiter voraus zu gehen oder auch links und rechts des Weges zu schnüffeln. An dieser Stelle noch mein Tipp an alle, die eine lange Leine verwenden und diese auf dem Boden schleifen lassen – am besten Sagrotan-Tücher oder ähnliches im Auto haben und verwenden, bevor man mit den Händen wieder an das Lenkrad fasst.  🙂

Ein weiterer unbestrittener Vorteil stellt sich gerade für ältere Hunde heraus. Wie beim Menschen kann sich auch im hohen alter der Hunde das Hör- und Sehvermögen verschlechtern. Selbst wenn diese Hunde in der Blüte ihres Leben gut trainiert waren, können wir sie nur schwer von der Leine lassen, wenn Sie uns nicht mehr hören können. Dabei geht es nicht einmal unbedingt um den “bedingungslosen Gehorsam” oder darum, dass unsere Hunde uns hören, denn auch bei erwachsenen Hunden kann sich dies beispielsweise bei Gegenwind schwierig darstellen. Hierbei geht es vor allem auch daran, dass wir unsere Hunde vor herannahenden Gefahren schützen können und auch noch Einfluss auf unsere Hunde nehmen können, auch wenn sie uns nicht mehr hören können (Hier ist nicht der Gehorsam der Hunde gemeint). An dieser Stelle kommt die Roll-Leine ins Spiel: Die Hunde spüren zu jeder Zeit aus welcher Richtung die Aufroll-Vorrichtung im Leinengehäuse (wenn auch schwache) Leinenspannung erzeugt. Die Hunde spüren also (entweder am Halsband oder Geschirr) aus welcher Richtung diese Leinenspannung entsteht und in Folge dessen, in welcher Richtung sich ihr Mensch befindet. Dies hilft sowohl schwerhörigen Hunden sich an ihren Menschen zu orientieren, als auch Hunden mit schlechtem Sehvermögen, zurück zu ihren Haltern zu finden. Dies kann gerade bei alten Tieren noch viel Handlungsfähigkeit erhalten und ihnen die Möglichkeit bewahren, mit ihren verbleibenden Sinnen die Umwelt zu erfahren, ohne die Hunde dabei einzuschränken.

Abschließend kann man die Frage, ob Roll-Leinen gut oder schlecht nicht allgemeingültig beantworten. Es ist stark abhängig sowohl von Umweltreizen als auch vom Gemütszustand und Alter des Hundes. Eines sei hier dennoch in aller Deutlichkeit gesagt: Die Begründung zur Verwendung einer Roll-Leine sollte nicht die Faulheit des Menschen sein! Hier können Verhaltensweisen entstehen, die für den Menschen sehr unvorteilhaft sind und die mit Mühe wieder abtrainiert werden müssen. Für Hunde mit Sinneseinschränkungen können diese Leinen aber durchaus ein Segen sein. 

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