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Roll-Leinen sind sinnvoll – trotzdem sollte sie nicht jeder benutzen! (Teil 2)

Nachdem wir in aller Kürze mögliche Nachteile dieser alltäglichen Erfindung, die jeder Hundehalter kennt, besprochen haben, ist es mir an dieser Stelle auch sehr wichtig auf die klaren Vorteile hinzuweisen, die diese Roll-Leinen haben, denn: trotz der im Teil 1 erwähnten Probleme die beim unsachgemäßen Einsatz dieser Leine entstehen können, sind es tatsächlich genau diese Dinge, die Roll-Leinen für andere Hunde so nützlich machen. Wer aufmerksam gelesen hat, der hat bemerkt, dass es sich bei den Hunden in Teil 1 hauptsächlich um Junge und untrainierte Hunde geht, aber was ist mit den anderen?

Hunde, die Beispielsweise gut im Training sind, eine Leinenführigkeit erlernt haben und vielleicht sogar die eine oder andere Übung im Bereich der Distanzkontrolle beherrschen, können (immer noch mit Vorsicht) durchaus an einer solchen Leine geführt werden. Der Halter kann dem Hund flexibel mehr oder weniger Freiraum geben und muss dabei nicht die Leine selbst in Schlaufen aufwickeln und in der Hand tragen – Denn leider wissen wir nicht, durch welchen Dreck unsere Hunde die Leine gezogen haben (eventuell sogar durch andere Hundehaufen). Wir können unseren Vierbeinern also ermöglichen, länger zu schnüffeln, ein wenig weiter voraus zu gehen oder auch links und rechts des Weges zu schnüffeln. An dieser Stelle noch mein Tipp an alle, die eine lange Leine verwenden und diese auf dem Boden schleifen lassen – am besten Sagrotan-Tücher oder ähnliches im Auto haben und verwenden, bevor man mit den Händen wieder an das Lenkrad fasst.  🙂

Ein weiterer unbestrittener Vorteil stellt sich gerade für ältere Hunde heraus. Wie beim Menschen kann sich auch im hohen alter der Hunde das Hör- und Sehvermögen verschlechtern. Selbst wenn diese Hunde in der Blüte ihres Leben gut trainiert waren, können wir sie nur schwer von der Leine lassen, wenn Sie uns nicht mehr hören können. Dabei geht es nicht einmal unbedingt um den “bedingungslosen Gehorsam” oder darum, dass unsere Hunde uns hören, denn auch bei erwachsenen Hunden kann sich dies beispielsweise bei Gegenwind schwierig darstellen. Hierbei geht es vor allem auch daran, dass wir unsere Hunde vor herannahenden Gefahren schützen können und auch noch Einfluss auf unsere Hunde nehmen können, auch wenn sie uns nicht mehr hören können (Hier ist nicht der Gehorsam der Hunde gemeint). An dieser Stelle kommt die Roll-Leine ins Spiel: Die Hunde spüren zu jeder Zeit aus welcher Richtung die Aufroll-Vorrichtung im Leinengehäuse (wenn auch schwache) Leinenspannung erzeugt. Die Hunde spüren also (entweder am Halsband oder Geschirr) aus welcher Richtung diese Leinenspannung entsteht und in Folge dessen, in welcher Richtung sich ihr Mensch befindet. Dies hilft sowohl schwerhörigen Hunden sich an ihren Menschen zu orientieren, als auch Hunden mit schlechtem Sehvermögen, zurück zu ihren Haltern zu finden. Dies kann gerade bei alten Tieren noch viel Handlungsfähigkeit erhalten und ihnen die Möglichkeit bewahren, mit ihren verbleibenden Sinnen die Umwelt zu erfahren, ohne die Hunde dabei einzuschränken.

Abschließend kann man die Frage, ob Roll-Leinen gut oder schlecht nicht allgemeingültig beantworten. Es ist stark abhängig sowohl von Umweltreizen als auch vom Gemütszustand und Alter des Hundes. Eines sei hier dennoch in aller Deutlichkeit gesagt: Die Begründung zur Verwendung einer Roll-Leine sollte nicht die Faulheit des Menschen sein! Hier können Verhaltensweisen entstehen, die für den Menschen sehr unvorteilhaft sind und die mit Mühe wieder abtrainiert werden müssen. Für Hunde mit Sinneseinschränkungen können diese Leinen aber durchaus ein Segen sein. 

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